Nach Rewe-Ausstieg
Wöhrl kündigt LTU-lern Partnerschaft auf

Bei der finanziell schwer angeschlagenen Ferienfluggesellschaft LTU bahnt sich ein massiver Konflikt zwischen Mehrheitseigentümer Hans-Rudolf Wöhrl und der Belegschaft an. In einem Brief kündigt der Unternehmer das Ende der „sanften“ Sanierung an.

FRANKFURT. Nach dem endgültigen Ausstieg des bisherigen 40-Prozent-Gesellschafters Rewe, den Wöhrl in einem Brief an die Mitarbeiter auf eine „Blockadehaltung der Tarifkommissionen“ zurückführt, kündigte der Unternehmer ein deutlich schärferes Vorgehen an. Die LTU-Geschäftsführung werde „das vorgestellte sanfte Sanierungskonzept nicht weiter verfolgen, denn jetzt müssen wir uns eine neue Strategie erarbeiten, wie wir die LTU ohne Rewe (...) erhalten können“, heißt es in einem Schreiben vom Donnerstag, das dem Handelsblatt vorliegt.

Hintergrund des sich aufschaukelnden Konfliktes sind die anhaltenden Verluste des Düsseldorfer Ferienfliegers, die Wöhrl zunächst mit einem 45 Mill. Euro schweren Sparpaket eindämmen wollte. Davon hätte das LTU-Personal – über einen Verzicht des 13. Monatsgehaltes sowie über weitere Einsparungen – 15 Mill. Euro beisteuern sollen. Gewerkschaften wie die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) erklärten sich nach drei Sanierungsrunden jedoch nicht zu weiteren Zugeständnissen bereit, weil sie von Wöhrl zuerst ein „Erfolg versprechendes und nachvollziehbares Konzept“ sehen wollten. Ein ohne vorherige Verhandlungen gesetztes Ultimatum am 15. Mai hatten die Mitarbeitergremien verstreichen lassen. Wöhrl hatte bis zu diesem Termin eine Einwilligung zu seinem Sparpaket gefordert.

„Jetzt gibt es nur noch rechtliche, keine partnerschaftlichen Verpflichtungen mehr“, schreibt Wöhrl weiter. Branchenexperten erwarten, dass die LTU-Geschäftsführung nun betriebsbedingte Kündigungen aussprechen wird, um den chronischen Geldabfluss zu stoppen. Angesichts rekordhoher Kerosinkosten und steigendem Preisdruck durch Billigflieger seien bei dem Unternehmen auch im ersten Quartal 2006 wieder hohe Verluste aufgelaufen, hieß es in Unternehmenskreisen.

Der Kölner Handels- und Touristikkonzern Rewe hatte am Donnerstagmorgen mitgeteilt, man habe die 40-prozentige Beteiligung zum 1. Juni an Wöhrls Verwaltungsgesellschaft Intro verkauft. Sie ist damit wieder Mehrheitseigner des Ferienfliegers. LTU-Geschäftsführer Jürgen Marbach, den Wöhrl kürzlich bereits mit einem 24-Prozent-Anteil bedacht hatte, solle künftig 45 Prozent an der Gesellschaft halten, kündigte ein Firmensprecher an. Die munter wechselnden Beteiligungsverhältnisse werten Branchenexperten als Anzeichen für die alarmierende Lage bei der Düsseldorfer Traditionslinie.

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