Nachgefragt: PAOLO ZEGNA
„Quoten sind ein guter Kompromiss“

Paolo Zegna, CEO der Ermengildo Zegn Group, ist Präsident des italienischen Textilverbandes.

Herr Zegna, was halten Sie davon, neu über die Handelsbeschränkungen für Textilprodukte aus China zu verhandeln?

Einmal geschlossene Abkommen müssen respektiert werden. Die im Juli von der EU verhängten Einfuhrquoten sind ein vernünftiger Kompromiss zwischen den verschiedenen Interessenlagen in Europa.

In Italien sieht man also keinen Grund für Nachbesserungen?

Nein. Auch wenn es nach wie vor wettbewerbsverzerrende Situationen gibt, so begrüßen wir doch die Einfuhrquoten für chinesische Textilien. Damit gibt es klare Regeln für den Import, so dass es möglich wird, passende Abwehrstrategien zu finden.

Und wenn Brüssel das Thema auf Druck von Deutschland, Schweden und Dänemark dennoch auf die Tagesordnung bringt, weil die Einfuhrquote längst überschritten ist?

Ich hoffe sehr, dass der Druck der großen Handelsketten nur ein sommerlicher Theaterdonner bleibt. Auf gar keinen Fall darf die Europäische Union die getroffenen Abkommen wieder aufschnüren. Das wäre überhaupt nicht gut für die Überwindung der kritischen Phase, in der sich der europäische Einigungsprozess befindet.

Nun zahlen am Ende die Verbraucher die Zeche, wenn die Winterkollektion teurer wird und weniger Auswahl bietet ...

Es gibt eine Möglichkeit, die Verbraucher zu schützen: Man muss sich in Europa mit Vorrang dafür engagieren, obligatorisch für Textilien und Bekleidung die Herkunftsetikettierung einzuführen. Diese Forderung richtet sich besonders an die deutschen Handelsriesen.

Die Textilbranche bestimmt maßgeblich das positive „Made in Italy“-Image. Sind Sie für den wachsenden internationalen Wettbewerb gerüstet?

Die italienische Textilproduktion, die 60 Prozent ihres Umsatzes im Export macht, ist nicht für das große Publikum bestimmt, sondern ein „teures“ Produkt. Gerade das Nischendasein hat viel Expansionspotenzial. In Osteuropa, Südamerika und auf dem asiatischen Kontinent gibt es große Wachstumsmöglichkeiten.

Italiens Rezept gegen China?

Wir müssen die Aufsplitterung der Branche bei uns überwinden, damit Investitionen besser greifen und die Arbeitskosten sinken.

Die Fragen stellte Regina Krieger.

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