Natura kauft L'Oréal-Tochter
The Body Shop wird brasilianisch

Kosmetikartikelhersteller L'Oréal trennt sich nach elf Jahren von seiner britischen Kosmetik-Tochter „The Body Shop“. Der Zuschlag geht an den brasilianischen Konzern Natura. Für den Deal gibt es gute Gründe.
  • 0

SalvadorEs hat nichts mit Brexit oder dem komplizierten Wahlergebnis zu tun: Doch eine der stärksten britischen Marken hat seit dem heutigen Freitag einen neuen Besitzer. Eine Milliarde Euro bietet der brasilianische Kosmetikkonzern Natura für den Konkurrenten Body Shop. Die Kette mit 3000 Läden in 60 Ländern war von der britischen Unternehmerin und Umweltaktivistin Anita Reddick gegründet worden. Sie wuchs mit der Umweltbewegung Europas und den USA zu einem globalen Unternehmen heran. Kurz vor ihrem Tod verkaufte sie den Konzern vor elf Jahren für 652 Millionen Pfund an den französischen Multi L'Oréal. Für etwa den gleichen Preis – nach dem heutigen Wechselkurs – verkauft L'Óréal nun die britische Kosmetikikone.

Der Grund: Im Portfolio des französischen Weltkonzerns führte Body Shop neben den Luxusmarken und medizinischen Kosmetikprodukten L'Oréals immer ein Nischendasein. „Die Marke Body Shop hat bei L'Oréal an Konzept eingebüßt“, sagt Elton Morimitsu vom Marktforschungsunternehmen Euromonitor. Natura dagegen passt besser zu Body Shop: Das brasilianische Unternehmen wurde von seinen drei Gründern über Jahrzehnte aufgebaut mit einer starken Marke, die auf Umwelt und Nachhaltigkeit im Amazonasland setzt. CEO João Paulo Ferreira verweist darauf, dass die Body-Shop-Gründerin Reddick sogar 2001 nach Brasilien kam und entscheidende Impulse gegeben hat, dass der Konzern seine Marke an Umwelt, Amazonas und Natur koppelte. Die ähnliche Geschäftsphilosophie dürfte der entscheidende Grund dafür gewesen sein, dass die brasilianische Natura die mitbietenden Hedgefonds wie CVC Capital Partners oder Advent International Corp. aus dem Rennen werfen konnte.

Es gibt noch weitere gute Argumente für den Deal: Von der Größe passt Natura (Umsatz 2016: 2,4 Milliarden Dollar) zu Body Shop (1,7 Milliarden Dollar). Die beiden Unternehmen kennen sich gut. Sie konkurrieren in Brasilien schon länger miteinander. Doch unter L'Oréal ist Body Shop in Brasilien langsamer expandiert als geplant. Die Natura-Manager dürften eine ziemlich genaue Vorstellung davon haben, wo sich im Filialnetz und Direktvertrieb in Brasilien und Südamerika Synergien heben lassen. Natura bekommt dafür ein weltweites Verkaufsnetz mit 3000 Läden von Body-Shop, neben denen es schneller im Ausland wachsen kann. Bisher ist es Natura trotz mehrerer Versuche nicht gelungen, außerhalb Südamerikas Fuß zu fassen. „Mit der Übernahme werden wir zu einem Unternehmen mit globalen Marken, weltweiter Präsenz und differenzierten Vertriebskanälen“, sagt Ferreira, der erst seit wenigen Monaten Natura leitet. 

Vor allem die weltweite Präsenz ist für Natura wichtiger, seitdem die Geschäfte auf dem Heimatmarkt schwächeln: Das Pro-Kopf-Einkommen der Brasilianer ist in der Rezession der letzten drei Jahre um zehn Prozent geschrumpft – und wird sich so schnell nicht erholen. Mit der Body-Shop-Übernahme erwirtschaftet Natura künftig statt knapp einem Drittel rund die Hälfte seines Umsatzes im Ausland. 

Die Brasilianer haben bereits vor vier Jahren im Ausland zugekauft – und gezeigt, dass sie ausländische Konkurrenten übernehmen und geschickt weiterführen können: Der australische Kosmetikhersteller Aesop ist unter der Kontrolle von Natura seit 2013 stark expandiert: Aesops Umsatz hat sich seitdem auf umgerechnet 158 Millionen Euro vervierfacht, bei einer ähnlich hohen operativen Gewinnmarge (15 Prozent) wie bei Natura. Die Brasilianer müssen nun zeigen, dass sie auch die Rendite von Body Shop auf ein zweistelliges Niveau steigern können.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika

Kommentare zu " Natura kauft L'Oréal-Tochter: The Body Shop wird brasilianisch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%