Nespresso-Konkurrenz
Schweizer Start-up greift Nestlé an

Wer Kaffee-Kapseln von Nespresso nutzt, produziert Müllberge. Aus Ärger darüber erfand Uhrmacher Erwin Meier eine Mehrweg-Kapsel. Im Interview erzählt er, was man damit sparen kann und ob sich Nestlé schon beschwert hat.
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Handelsblatt Online: Es klingt eigentlich zu schön, um wahr zu sein. Sie bringen eine Edelstahlkapsel auf den Markt, die wieder befüllbar, abwaschbar und umweltschonend ist. Hat sich Nestlé schon bei Ihnen gemeldet, um sein Revier zu verteidigen? Die Anwälte des Nahrungsmittelgiganten nehmen ja derzeit jeden in die Zange, der dem milliardenschweren Kapselgeschäft gefährlich werden könnte, wie die Verfahren mit Discounter Denner oder der Westschweizer Kapselfirma Ethical Coffee Company (ECC) zeigen.

Erwin Meier: „Ich denke nicht, dass Nestlé diesen Schritt tun wird, der Imageschaden wäre zu hoch für den Versuch, ein kleines Öko-Nischenprodukt nieder zu treten. Die Kapsel wurde auch zum Patent angemeldet.“

Im vergangenen Jahr hat Nestlé mehr als fünf Milliarden Kaffeekapseln und damit mehr als 6000 Tonnen Aluminiumschrott produziert. Was kann Ihre Öko-Kapsel, was die Nespresso-Kapsel nicht kann?

Erwin Meier: „Unsere Kapsel muss nur einmal gekauft werden und kann endlos mit dem eigenen Lieblingskaffee befüllt werden.“

Sie sind eigentlich gelernter Uhrmacher. Was hat Ihren Erfindergeist geweckt und Sie auf die Idee gebracht, in den Ring mit einem globalen Player im Kaffee-Business zu steigen?

Erwin Meier: „Ich habe das Nespresso-System vor zweieinhalb Jahren bei einer Freundin kennengelernt und hatte als Tüftler sofort die Idee, die Kapsel wieder befüllbar zu machen. Am gleichen Abend baute ich aus Karton und Silberfolie einen Prototypen, dann ließ ich in einer Feinmechanik-Werkstatt diverse Prototypen in Edelstahl anfertigen, bis der perfekte funktionstüchtige Rohling geboren war.“

Böse Zungen behaupten, dass Ihre abwaschbare Mehrweg-Kapsel chancenlos ist, weil Nestlé mit seinem Produkt auch einen bestimmten Lifestyle verkauft. Außerdem sei die Benutzung aufwendig, weil im Büro-Betrieb die wenigsten Lust haben, ständig die Kapsel auszuspülen. Ihr Gegenargument?

Erwin Meier: „Lifestyle sollte in der heutigen Zeit auch Umweltbewusstsein beinhalten und dringend vom Abfallbergeproduzieren wegkommen und 30 Sekunden Aufwand, um die Kapsel zu befüllen, ist ja auch nicht die Welt. Zumal die Nespresso-Maschine ja mindestens diese Zeit braucht, bis sie aufgeheizt und startbereit ist. Bei vier Tassen Kaffee am Tag spart der Kunde im Jahr fast 500 Euro, denn rechnet man den Inhalt einer Nespresso-Kapsel hoch, bezahlt man fast 100 Euro für 1 Kilogramm Kaffee...“

Bislang ist ihre Kapsel, die sie auf den Namen „mycoffeestar“ getauft haben, nur über ihre Website für 33 Euro erhältlich. Denken Sie auch über den Handel als Vertriebsweg nach?

Erwin Meier: „Wir haben viele Anfragen aus dem In-und Ausland und ab 2013 dürfte das Produkt sicher in der Schweiz, Deutschland und Frankreich und weiteren Länder in die Läden kommen.“

Sie betreten mit Ihrem Produkt einen boomenden Markt, seit Nestlé die Kapseln im großen Stil eingeführt hat. Der Konzern verdiente im vergangenen Jahr drei Milliarden Franken. Experten gehen davon aus, dass der Markt in zwei Jahren rund acht Milliarden Franken schwer sein kann. Können Sie über Absatzziele oder Umsatzzahlen sprechen?

Erwin Meier: „Ich denke es ist noch zu früh, um Prognosen zu stellen. Aber unsere Idee stößt auf großes Interesse. Viele Nespresso-Kunden bemerken erst nach dem Kauf einer Nespresso-Maschine, wie teuer der Lifestyle sie am Ende zu stehen kommt. Die Wiederbefüllung ist mit einem kleinen Zeitaufwand verbunden und somit sicher eine große Konkurrenz zur schnellen Einwegkapsel von Nestlé.“

Herr Meier, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen

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  • @Kaffeetrinker
    So wie ich das sehe, sind die besten klassischen Espressomaschinen etwa gleichwertig dem Nesspressosystem.
    An letztem stören mich drei Dinge, ersten der überhöhte Preis für den Kaffee, der Müll und ich kann nicht meinen Lieblingskaffee verwenden.
    Es gibt nur wenige Kapsel, die deutlich besser als Melittafilterplempe schmeckt, allerdings haben sie sich bei den Namensbezeichnu g Mühe gegeben und viel Fantasie investiert.
    Ok, mit der richtigen Maschine und der richtigen Sorte bekommt einen klasse Kaffee.

  • Die Bialetti Espresso- oder Mokkakocher sind ordentlich, dass Ergebnis ist zwischen Melittafilterplempe und einer teuren (und guten, wenn man Glück hat) Espessomasxhine.
    Da mir in der Karibik keiner diese teuren Dinger repariert, bleibe ich hier halt bei dem Bialetti Mokkakocher, der auch ganz ordentlich verarbeitet ist.

  • Ich habe Fair-Trade und Ethical Kaffee probiert und er war Grottenschlecht.
    Ich weiss nicht warum dass so ist.
    Auffällig war, dass die Bohnen, bzw. dass Pulver, wie fast immer in D, ungenügend geröstet war. Das schmeckt dann für mich so ähnlich wie eine Bratwurst die ich nur im Wasserbad erhitzt habe.

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