Neue Datenbank für Unternehmen
Amazons Frontalangriff auf Oracle und IBM

Datenbanken sind das Rückgrat jeder Unternehmens-IT. Sie haben Firmen wie Oracle oder IBM zu Milliardenkonzernen gemacht. Jetzt schickt sich der Online-Buchhändler Amazon an, diese festgefügte Industrie aufzumischen.
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Las VegasSie wird schneller sein als herkömmliche „High-End“-Produkte der Konkurrenz und das für ein Zehntel des Preises: Andy Jassy, Senior Vice President bei Amazons Tochter für Cloud-Computing, Amazon Web Services AWS, verspricht nicht weniger als einen Neuanfang. Amazons Datenbank „Aurora“ sei drei Jahre in Arbeit gewesen. Nun verspricht er „volle Kompatibilität“ zum Industriestandard MySQL bei deutlich höherer Geschwindigkeit.

MySQL gilt als sogenannte Open-Source-Software. Das heißt, sie steht praktisch jedem zur freien Verfügung. Das Unternehmen wurde 2008 dann von Sun Microsystems übernommen, die wiederum 2010 von Oracle geschluckt wurden. Damit stieg Oracle neben IBM zum mächtigsten Datenbank-Anbieter für Unternehmenskunden auf.

Kein anderer als Amazon-Gründer Jeff Bezos will das ändern. Seine Chance sieht er darin, dass all diese Datenbanken, sogenannte „relationale Datenbanken“ aus einer Zeit stammen, in der sie auf großen Festplattenspeichern und Computern im Unternehmen gelebt haben.

Heute verbreitet sich immer stärker die Datenhaltung und Analyse im Internet, der Cloud. Oracle selbst hat gerade erst seine eigene Datenbank 12c als Cloud-Service gestartet. „Datenbanken“, bekräftigte Ellison auf der Hausmesse Openworld in San Francisco, „sind und bleiben Kernkompetenz“ von Oracle.

AWS-Manager Jassy verspricht den Kunden von Amazon jetzt eine Datenbank, die bis zu fünf Mal so schnell arbeitet wie Oracles mySQL und nur einen Bruchteil kosten soll. „Es ist sehr schwierig für Unternehmen mit den traditionellen Datenbanken die gewünschte Performance in der Cloud zu erzielen“, so Jassy auf Nachfrage. Außerdem, erwähnt er mit Blick auf Oracles oder IBMs eigene Produkte, „mögen die Kunden immer weniger, wenn sie in ihrer Datenbank eingesperrt sind“.

Wie erfolgreich Amazons Vorstoß sein wird, hängt unter anderem davon ab, wie einfach Unternehmen ihre alten Datenbanken auf das neue System werden umstellen können. Ein signifikanter Anteil von Umsteigern auf das neue Produkt könnte spürbare Auswirkungen auf den Umsatz mit Datenbank-Lizenzen und Datenbank-Wartung bei Anbietern wie Oracle, IBM, Microsoft oder SAP haben.

Oracles Ellison, der vor zwei Monaten als CEO zurückgetreten ist, erklärte 2014 bereits für sein Unternehmen als „Wendepunkt“ in der Unternehmensgeschichte. IBM leidet bereits unter dem Aufstieg der neuen Wettbewerber aus der Datenwolke. IBMs CEO Ginni Rometty zog nach zehn Quartalen mit Umsatzverlusten jüngst die langfristigen Erwartungen für Umsatz und Gewinn zurück, weil die Nachfrage nach Großcomputern und Software immer weiter nachgibt.

Cloud-Angebote machen laut IBM derzeit gerade mal 3,1 Milliarden Dollar von 100 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr aus. Amazon versteckt seinen Cloud-Umsatz derzeit unter „Sonstiges“. Im jüngsten Quartal, schätzen Experten, lag er aber bereits bei rund einer Milliarde Dollar und damit hochgerechnet auf dem jährlichen Niveau von IBM.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Neue Datenbank für Unternehmen: Amazons Frontalangriff auf Oracle und IBM"

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  • Jawoll, wir lagern unternehmenskritische Prozesse mal eben in die Cloud aus. Als wenn das alles so einfach wäre und es "nur" auf die Datenbank ankommt.
    Die Leistungsfähigkeit einer DB wird ganz maßgeblich durch die perfekte Konfiguration der Umgebung bestimmt. Feintuning, das oftmals Wochen braucht, bis es perfekt paßt. Und das soll jetzt in wolkigen Standardkonfigurationen laufen..... ?

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