Neue Rettungsidee
Schlecker-Läden als Genossenschaften

In einem Wohngebiet im thüringischen Meinigen wächst eine neue Idee zu einer kleinen Schlecker-Rettung. Eine ehemalige Mitarbeiterin will eine Filiale zu einem Genossenschaftsladen machen.
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MeiningenDoreen Krieg glaubt an die Idee. „Es muss einer anfangen, diesen Weg zu gehen. Und dann werden andere Mutige folgen“, sagt die Thüringerin. Die 37-Jährige hat zwölf Jahre lang in der Schlecker-Filiale im Meininger Wohngebiet Jerusalem an der Kasse gestanden. Sie hat den Laden mit aufgebaut - und die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es irgendwie weiter geht. Am Montag steht ein Treffen im Thüringer Wirtschaftsministerium an. „Wir wollen dort die Idee beraten, wie Beschäftigte ihre Schlecker-Filialen übernehmen und selbst weiterführen könnten“, heißt es im Einladungsschreiben der Gewerkschaft Verdi.

Doreen Krieg hofft, möglichst viele ihrer Ex-Kolleginnen zu treffen - knapp 900 haben allein in Thüringen durch die Pleite der Drogeriekette ihren Job verloren, bundesweit war bis Ende Juni für rund 13 000 Frauen Schluss. Ihre Filialen selbst zu übernehmen, „dazu fehlt uns allein das Geld“, sagt Krieg. Nötig seien möglichst viele Kunden, die Anteile an einer neuen Genossenschaft zeichnen - und zugleich durch ihre Treue zum Laden für die nötigen Umsätze sorgten.


Neben Verdi steht auch der Mitteldeutsche Genossenschaftsverband beratend zur Seite. „Die Voraussetzungen sind günstig: Wir haben kompetente Verkäuferinnen und zumindest im ländlichem Raum Läden, die sonst leerstehen“, sagt Verbandschef Gerald Thalheim. Er warnt aber davor, allein die Beschäftigungsperspektive für die Schlecker-Frauen in den Mittelpunkt zu stellen. Grundlage könne nur ein „tragfähiges Geschäftsmodell“ sein. „Wenn die Bevölkerung das Geschäft nicht als eigenen Laden empfindet, dann funktioniert das nicht langfristig“, sagt er.

Nach Verbandsangaben könnte ein Anteil an einem solchen Bürgerkonsum beispielsweise 50 Euro betragen - je nach dem Willen der Mitglieder. Das Prinzip ist „ein Mitglied, eine Stimme“ - jeder kann mitreden, völlig unabhängig vom eingebrachten Kapital. Thalheim sieht darin den Gegenentwurf zum ausschließlich auf Rendite ausgerichteten Kapitalismus. Die sozialistische Tageszeitung „Neues Deutschland“ frohlockt bereits. „Wie Schlecker, nur besser“, schreibt sie über die Meininger Idee.

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Kommentare zu " Neue Rettungsidee: Schlecker-Läden als Genossenschaften"

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  • Natürlich kann das auch mit einer Genossenschaft gutgehen. Aber entscheidender als die Rechtsform ist meist der verantwortlich handelnde Unternehmer. Da kommt es auf den Standort an, auf das Ladenobjekt, auf die Einrichtung, auf das Sortiment, auf die Lieferanten, auf das Personal sowie auf das Marketing und die geschickte Bearbeitung des Gesamtmarktes, Mulitchannel also. Das alles was eben einen Unternehmer so ausmacht. Es gibt da auch ein gutes Beispiel wie ein Unternehmer ticken mu?: Wolfgang grupp, Inhaber der Firma Trigema. Von dem Mann könnte sich so mancher etwas abgucken für sein Geschäft.
    Ich wünsche allen Neustartern eine gute Zukunft.
    Hans Wagner
    Controller
    hwnuernberg@freenet.de

  • Krieg! Sensationell. Erst Schlecker durch Lohnerhöhungen und Betriebsratsgründung vor Ort in die Pleite treiben und jetzt Unternehmer werden wollen. Nur haften, haften will oder kann sie nicht. Umsatz = Gewinn.

    Genossenschafftspfeifen sollen haften und nichts zu sagen haben. Interessant. Wir werden sehen ob es klappt!

  • so etwas kann in keiner weise überleben....willkommen in der wirklichkeit! es gibt nur eine handvoll gute mitarbeiter von schlecker, die auch über genügend wirtschaftliche strukturen bescheid wissen! hier wurde alles per papier erledigt, kein geschlossenes warenwirtschaftssystem usw. sorry aber einen tante emma laden brauchen wir nicht! es gibt müller, dm und rossmann und alle anderen stocken ihre drogerieartikel auf....jeder lieferrant lacht sich bereits jetzt schon schlapp.....sorry hier geht man an der zukunft vorbei - wie anton schlecker halt!!!!!!

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