Öffentlicher Schlagabtausch um den Werbekonzern
Havas-Großaktionär droht dem Konzernchef

Investor Vincent Bolloré, der rund 20 Prozent am französischen Werbekonzern Havas hält, hat den Ton gegenüber Havas-Chef Alain de Pouzilhac kurz vor der Hauptversammlung der Gruppe am Donnerstag nochmals verschärft. „Wenn Alain de Pouzilhac zurücktreten will, sobald unsere Vertreter in den Verwaltungsrat gewählt werden, gibt es geeignete Führungskräfte innerhalb und außerhalb der Gruppe, um ihn zu ersetzen“, sagte Bolloré der Zeitung „Le Monde“.

HB PARIS. Als Beispiel nannte er Jean-Marie Dru, den Chef der Werbeagentur TBWA. Bolloré bekräftigte, nicht die Kontrolle bei Havas anzustreben und daher kein Übernahmeangebot machen zu wollen. Seit Monaten liefern sich der Havas-Großaktionär und der Konzernchef einen öffentlichen Schlagabtausch. Bolloré hatte im vergangenen Herbst rund 20 Prozent des Kapitals des Werberiesen gekauft. Als erstes torpedierte er den Plan, den Konkurrenten Grey zu übernehmen, da Havas hierzu die finanzielle Kraft fehle.

Bolloré fordert, mit vier Vertretern in den 18-köpfigen Verwaltungsrat einzuziehen. De Pouzilhac will diesem Wunsch aber nicht entsprechen, da Bolloré nicht klar gemacht habe, welche Intentionen der Investor mit seiner Beteiligung verfolge. Dem entgegnet nun Bolloré: „Im Verwaltungsrat werden Strategien entworfen. Nicht in der Öffentlichkeit.“ Er kündigte an, bei der Hauptversammlung den Aktionären seine Position zu erklären.

Das Havas-Kapital ist breit gestreut. Das erschwert Prognosen, welches von beiden Lagern sich am Donnerstag durchsetzen wird. Havas-Chef de Pouzilhac bekam im Vorfeld die Unterstützung von Mercedes Erra und Stéphane Fouks, den Leitern der wichtigen Havas-Tochter Euro RSCG France. Dagegen hatte Axa-Gründer Claude Bébéar, einer von Frankreichs mächtigsten Finanzmanagern, das Anliegen Bollorés indirekt unterstützt: Es sei legitim, wenn man als Großaktionär von Havas im Verwaltungsrat vertreten sein wolle.

Um die Präsenz der Kleinaktionäre auf der Hauptversammlung zu erhöhen, bietet Havas jedem Aktionär zehn Euro für die Teilnahme an. Ein Schritt, der auf massive Kritik von Bolloré stößt: „Ist es normal, den Aktionären zehn Euro für die Stimmabgabe zu bieten – für einen Titel, der keine fünf Euro wert ist?“

Der Havas-Einstieg des Investors Bolloré hatte zudem für Spekulationen gesorgt, Bolloré könne sein Paket im Zuge einer von ihm initiierten Havas-Übernahme über einen Konkurrenten wie Publicis oder WPP veräußern. Dies aber dementierte Bolloré: „Wir stehen nicht auf der Verkäuferseite. Wir sind da, um lange zu bleiben, was immer auch geschieht.“

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