Öffentlicher Sektor
Klamme Städte hoffen auf erfahrene Sanierer

Die Verbindung zwischen Beratungsunternehmen und der öffentlichen Hand versprach Mitte der 90er-Jahre fruchtbare Geschäfte. Von den Hoffnungen ist nur wenig übrig geblieben. Privatisierungen oder der Verkauf von Stadtwerken sind seltener geworden. Dennoch erwarten Berater wachsende Umsätze mit Kommunen.

DÜSSELDORF. Viele Stadtkämmerer haben sich in den letzten Jahren auf Geschäfte eingelassen, von denen sie zu wenig verstehen. Angetrieben von einem Heer von Beratern stürzten sie sich in das so genannte Cross-Border-Leasing - heute bringen diese Geschäfte einige Kommunen finanziell in Bedrängnis. Denn es zeigt sich, dass die langen Laufzeiten der Verträge die Kosten drastisch erhöhen. Außerdem weiß niemand, was passiert, wenn einer der Leasing-Geber pleite geht. Dabei sollte das Verkaufen und Zurückmieten von Klärwerken, Kanalsystemen oder Straßenbahnen die Haushalte der Gemeinden entlasten.

Sicher ist dagegen, dass Berater und Anwälte gut dabei verdienen. Die Stadt Aachen zum Beispiel musste - noch zu DM-Zeiten - 19 Mio. Mark für Banken, Anwaltskanzleien und weitere Berater berappen, obwohl das geplante Geschäft schon im Stadium der Vorverhandlungen geplatzt war.

Die Verbindung zwischen Beratungsunternehmen und der öffentlichen Hand versprach Mitte der 90er-Jahre fruchtbare Geschäfte. Von den Hoffnungen ist zumindest beim Cross-Border-Leasing fast nichts geblieben. Das wird jetzt in der Krise deutlich. Und auch ihr wichtigstes Beratungsthema ist den Kommunen abhanden gekommen: die Privatisierung. Kommunale Leistungen gehören in private Hände, so lautete jahrelang das Credo all jener Städte, die sich für modern hielten. "Privatisierung hat in der aktuellen Situation ein eher schlechtes Image. Auf dem Gebiet herrscht im Moment weitgehend Ruhe, es gibt fast keine Beratungsprojekte", sagt Thomas Eßer, Bereichsvorstand Public Services bei Steria Mummert Consulting.

Vielleicht liegt es auch daran, dass sich die Bevölkerung gegen den Verkauf städtischer Betriebe wehrt: Leipzig wollte knapp 50 Prozent der Stadtwerke an den Energiekonzern Gaz de France (GdF) verkaufen. Die Bürger entschieden sich in einer Volksabstimmung mit 87 Prozent dagegen - obwohl die mit etwa 900 Mio. Euro verschuldete Stadt die 520 Mio. Euro aus Frankreich gut hätte gebrauchen können. "Es gibt ganz wenige Beispiele für wirklich erfolgreiche Privatisierungen", sagt Michael Sanktjohanser, Managing Director beim Beratungsunternehmen Goetzpartners.

Nicht anders sieht es derzeit bei einem zweiten, ebenso beratungsintensiven Modethema der Kommunen aus: dem Zusammenschluss von Stadtwerken. "Jeder hat Angst vor unbekannten Risiken des anderen, deshalb kümmern sich im Moment alle nur um sich selbst", sagt Eßer. A.T. Kearney etwa hatte die Fusion der rheinischen Stadtwerke Krefeld und Neuss vorangetrieben, musste dann aber mit ansehen, wie das Projekt völlig unerwartet von der Politik gestoppt wurde.

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