Online-Gutscheine
Rabattschlacht im virtuellen Kaufhaus

Gutscheincodes, Gratis-Coupons oder Cash-Back: Immer mehr Anbieter locken Internet-Käufer mit vermeintlichen Rabatten. Wie man an echte Schnäppchen kommt – und wer daran wirklich verdient.
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DüsseldorfWenn Nils Hüls dienstags seine virtuelle Post liest, mischt sich sportlicher Ehrgeiz in sein Kaufverhalten. „Sehr geehrter Sparfuchs“, umgarnt ihn der Newsletter von „Sparwelt.de“. Nur Sekunden später betritt der 33-Jährige das virtuelle Kaufhaus mit seinem unbegrenzten Warenangebot. Ob eine Lederjacke, ein Fernseher, eine Städtereise oder der Nachschub an Katzenfutter – für alles locken im Internet Gutschein-Seiten mit Rabatten und direktem Link zum Angebot des Online-Händlers. Der preisbewusste Shopper in einem ewigen Schlussverkauf. 

Hüls ist ein typischer Konsument des Internetzeitalters: der Smart Shopper. Vom Sofa aus recherchiert er mit dem Laptop auf dem Schoß im Netz nach dem besten Angebot, vergleicht Preise, gibt sich nicht mit dem erstbesten Produkt zufrieden, das er im Ladenregalen oder im Online-Shop findet. Er wirft Produkte in seinen virtuellen Warenkorb, als würde er Informationen speichern, von denen er noch nicht weiß, ob er sie jemals brauchen könnte. Ein Schnäppchen macht ihn so glücklich, dafür würde er fast alles tun. 

Früher gab es Herzchenaufkleber im Rabatt-Heft. Heute weisen Gutscheincodes, Gratis-Coupons oder Cash-Back dem Smart Shopper den Weg ins Glück. Spezielle Anbieter haben das zum Geschäftsmodell entwickelt: Unternehmen wie „Sparwelt“ oder „Qipu“ kassieren von ihren Auftraggebern ordentliche Provisionen, wenn sie mit Rabatten Kunden in den Webshops von Zalando, Amazon, Kaufhof oder Expedia locken. 

Und die Masche funktioniert: Jeder zweite Online-Shopper steuert bei seiner virtuellen Einkaufstour mittlerweile gezielt Gutschein-Webseiten an, um sich von dort auf die Seiten der Online-Händler, die Rabatte, Gutscheine und Vergünstigungen versprechen, leiten zu lassen. Das zeigt eine repräsentative Studie im Auftrag von „deals.com“, einer Spar-Suchmaschine, die ihren Nutzern tagesaktuell und kostenlos Gutscheine und Angebote für über 1.600 Online-Händler übersichtlich zusammenstellt.

Viele Smart Shopper legen sich auch länger auf die Lauer für den richtigen Deal: 40 Prozent der Online-Käufer geben an, ihren virtuellen Warenkorb schon einmal geleert zu haben, weil ihre Rabatt-Suche für einen bestimmten Artikel erfolglos war. 60 Prozent von ihnen haben sich in einem neuen Shop als Kunde registriert, weil sie ein Gutschein angelockt hat.

Daniel Engelbarts ist Geschäftsführer einer der größten Schnäppchen-Seiten in Deutschland. 2008 hat der ehemalige Springer-Manager die Sparwelt GmbH gegründet, zu der die Gutscheinportale „deals.de“ in Deutschland und „Promoszop“ in Polen gehören. Vor einem Jahr hat die Mediengruppe RTL das Unternehmen gekauft. „Im Gegensatz zu anderen Anbietern bietet Sparwelt.de redaktionelle Inhalte, Empfehlungen, wie etwa eine von einer Redaktion aufbereitete Sammlung an Gutscheinen, Coupons und Verkaufsaktionen“, sagt Engelbarts. Rund 3,5 Millionen Kunden zählt das Portal mit 1700 Vertragshändlern, 1 Million von ihnen haben den Newsletter abonniert.

Nach eigenen Angaben wird 1 Prozent des gesamten Umsatzes, der im Online-Handel in Deutschland generiert wird, über „Sparwelt.de“ abgewickelt. An Provision erhält das Unternehmen je nach Branche und Kunde 4 bis 15 Prozent des Nettoeinkaufswertes, der im virtuellen Warenkorb liegt.  Wenn eine Kundin, die vom Schnäppchen-Portal aus zum Zalando-Shop geleitet wurde, ein Kleid im Wert von 100 Euro bestellt, verdient „Sparwelt.de“ der Beispielrechnung nach im Schnitt zehn Euro. 

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Rabattschlacht im virtuellen Kaufhaus

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Langfristig tragfähiges Geschäftsmodell?

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  • Setzen 6 Frau Frind.

    Wenn sie schon einen Artikel zum Thema Sparen im Internet veröffentlichen, dann setzen Sie sich doch beim nächsten Mal bitte etwas genauer mit der Thematik auseinander.

    Als langjähriger Online-Sparer kann ich bei Ihrem Artikel und den "Experten" die Sie zitieren nur mit dem Kopf schütteln.

    Nur ein Beispiel:

    "Der Handelsexperte glaubt daher nicht, dass das Rabatt-Geschäft der Gutschein-Seiten im Online-Handel ein langfristig tragfähiges Geschäftsmodell ist. [...] Er sieht eher die Preisvergleichsportale auf dem Vormarsch."

    Auch Preisvergleichsseiten arbeiten mit dem sogenannten Affiliate-Marketing (Vermittlungsprovisionen) und verdienen damit Millionen bzw. verlangen von den Händlern eine Gebühr, damit diese dort überhaupt gelistet werden. Die günstigsten Preise, die man dort präsentiert bekommen, entstehen meist erst durch den gebrauch eines Gutscheins und können mit Cashback nochmal vergünstigt werden. Ihre Aussage, dass man bei Qipu Cashback in Payback-Punkte umwandeln könne, ist darüber hinaus schlichtweg falsch und schlecht recherchiert. Vielleicht haben Sie ja Payback mit Paypal verwechselt...

    Auch ihr Versprechen aus der Überschrift, aufzudecken "Wer daran wirklich verdient" bleibt unbeantwortet und ist nicht mehr als eine pseudoinvestigativer Phrase. Das auch eine Website wie Sparwelt von etwa leben muss, dürfte wohl jedem Ihrer gebildeten Leser klar sein. Das der Online-Shopper am Ende trotzdem deutlich weniger zahlt als im Handel oder ohne entsprechende Seiten, verschweigen Sie gekonnt.

    Vom Handelsblatt hätte ich mehr Professionalität erwartet. Schade..

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