Optimismus
Fraport plant fürs Ende der Krise

Fraport präsentiert sich in der Krise mit einem leichten Umsatzminus - und düsteren Aussichten. Konzernchef Bender rechnet im kommenden Jahr mit einem Passagierrückgang um bis zu neun Prozent. Im internationalen Vergleich sei der Flughafen nicht profitabel genug, warnen Marktkenner.

FRANKFURT. Licht und Schatten liegen bekanntlich eng beisammen. So auch gestern im Quartalsbericht des Flughafenbetreibers Fraport in Frankfurt. Zwar ist der Überschuss des Unternehmens mit einem Minus von 25,4 Prozent auf 22,3 Mio. Euro rapide eingebrochen. Doch Experten hatten angesichts der weltweiten Krise in der Luftfahrt mit noch schlimmeren Zahlen gerechnet. Zudem blieb das um Verkäufe bereinigte Umsatzminus mit 1,5 Prozent moderat. Die Erleichterung hierüber wurde allerdings wieder von einem skeptischen Ausblick überlagert.

Konzernchef Wilhelm Bender wählte gestern bewusst die Formulierung von der „Zuversicht für die Zeit nach der Krise“. Bis dahin ist auch bei ihm Vorsicht angesagt. Er bestätigte zwar den bereits zu Jahresbeginn prognostizierten positiven Jahresüberschuss, der unter dem des Vorjahres liegen soll. Seine Aussagen etwa zur Passagierentwicklung und den Folgen für das Betriebsergebnis überraschten allerdings den einen oder anderen Experten. So soll der operative Gewinn (Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) am Jahresende bei 500 und 530 Mio. Euro liegen. Im Jahr 2008 standen hier noch gute 610 Mio. Euro in der Bilanz. Grund für den Pessimismus: Bender rechnet im Jahr 2009 mit einem Passagierrückgang über alle von Fraport betriebenen Flughäfen um bis zu neun Prozent. Dabei sind mögliche Folgen einer sich doch stärker ausbreitenden Schweinegrippe noch nicht enthalten.

Das sei unterhalb den Erwartungen, schrieb Johannes Braun von der Commerzbank. Die Quartalszahlen seien zwar solide, der Ausblick sei jedoch enttäuschend, fand auch Jochen Rothenbacher von Equinet. Eine ähnliche Stimmung beherrschte gestern auch das Geschäft auf dem Börsenparkett. Der Kurs von Fraport sackte bis zum Mittag um über sechs Prozent in den Keller. Das Unternehmen zählte damit zu den schwächsten Werten im Börsenindex MDax.

Einer der wenigen Lichtblicke ist in den Augen der meisten Analysten die gute Entwicklung im Handelsgeschäft. Laut Bender konnten zudem die Flughäfen Lima und Antalya „positive Impulse“ liefern.

Darüber hinaus sieht das erste Quartal von Fraport allerdings düster aus. So fiel die Zahl der Passagiere, die die Flughäfen im Mehrheitsbesitz von Fraport in den ersten drei Monaten benutzt haben, gegenüber dem ersten Quartal 2008 um 7,1 Prozent auf rund 14 Millionen. Das Frachtaufkommen brach sogar um 23,2 Prozent auf 451 000 Tonnen ein. Eine ganz ähnliche Entwicklung kennzeichnet den Kernflughafen Rhein-Main. Hier gab das Passagieraufkommen um 10,9 Prozent nach, die beförderte Fracht sackte um 23,3 Prozent ab. Dass Fraport trotz dieser widrigen Rahmenbedingungen die Marge (Ebitda zu Umsatz) im ersten Quartal von 21,8 auf 22,1 Prozent steigern konnte, lag vor allem am Verkauf der margenschwachen Sicherheitstochter ICTS-Europe. Dennoch sehen Marktkenner bei Fraport hinsichtlich der Profitabilität noch Nachholbedarf.

In einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte, die heute vorgestellt werden soll, liegt Fraport im Vergleich mit anderen börsennotierten Betreibern aus Europa bei der Marge an letzter Stelle. „Während Fraport über den gesamten Zeitraum (2003 bis 2007) Ebit-Margen zwischen elf und 15 Prozent erwirtschaftete, stieg der Wert beim Flughafen Kopenhagen von 36 auf 45 Prozent in 2007“, schreiben die Autoren Heinrich Förster und Gary Knott. Nicht zuletzt im Einzelhandel sei noch Potenzial. „Der Umsatz je Passagier steigt nur unbefriedigend“, heißt es.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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