Passagiere wollen Komplettpreis
Lufthansa fliegt am Kundenwunsch vorbei

Auf Europaflügen ist die Lufthansa längst zum Billigflieger mutiert: Wünsche kosten extra – der Komplettpreis ist bei den meisten Tickets abgeschafft. Das könnte sich rächen, zeigt nun die Studie eines Kranich-Rivalen.
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DüsseldorfDen Wunschsitz im Flugzeug für zehn Euro extra, das aufgegebene Gepäckstück ab 15 Euro, eine Umbuchungs-Option, die 60 bis 160 Euro mehr kostet – mit ihrem „Europa-Tarifkonzept“ imitiert die Lufthansa seit 1. Oktober die Preispolitik der Billigflieger.

Es sei „der Wunsch vieler Fluggäste, nur für diejenigen Leistungen zu zahlen, die auch tatsächlich in Anspruch genommen werden“, behauptete Lufthansa-Vertriebschef Jens Bischof noch kurz vor dem Start. Eine Studie des Meinungsforschungsinstitut Forsa, die Lufthansa-Rivale Turkish Airlines jetzt in Auftrag gab, spricht hingegen eine deutlich andere Sprache. Danach bevorzugt die weit überwiegende Anzahl an Flugreisenden Komplettpreise.

87 Prozent der insgesamt 2200 Befragten in Deutschland gaben an, lieber Tickets zu erwerben, in denen Freigepäck, Bordverpflegung oder Sitzplatzwahl bereits inbegriffen sind. Damit, glauben die meisten, seien die Kosten transparenter und auf einen Blick überschaubar.

Im Gegensatz dazu gehen Airlines immer stärker dazu über, auf billige Basistickets umzustellen, die sich bei Bedarf durch Zusatzleistungen verteuern. US-Airlines wie United setzen damit schon Milliarden um.

Wem Fluggäste bei der Reiseplanung vertrauen


In Europa gilt die ungarische Wizz Air als führend. 35 Prozent ihres Umsatzes kommen aus dem Verkauf von Sonderleistungen, die früher üblicherweise im Ticket enthalten waren. Ryanair holt aus diesem Segment ein Viertel der Erlöse. Und auch Air Berlin hat soeben angekündigt, Fluggästen mit Standard-Ticket ab November Snacks und Getränke nur noch gegen Aufpreis zu servieren.

„An die komplizierten Preistabellen der Airlines“, glaubt Pricingexperte Christoph Lesch von der Beratungsfirma Simon-Kucher, „gewöhnt sich der Kunde leicht.“ Das alles kenne er schließlich schon von den Handy-Anbietern. Die Studie von Forsa aber scheint das zu widerlegen.

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  • Ich persönlich empfinde die Umstellung auf "Eurowings" im Europaverkehr für der falschen Weg. Mir gefällt das neue branding gar nicht, man erkennt keine traditionsreiche Fluggesellschaft wie die Deutsche Lufthansa nicht mehr. Da kann ich gleich mit EasyJet fliegen. Ich kann auch gerne auf einen Snack an Bord verzichten, hätte aber gern zwei Getränke und möchte nicht betteln müssen. Bei Germanwings ist mir es schon unangenehm nachzufragen und dann mein Geldbeutel zu zucken.

  • Als ehemaliger HON kann ich schon behaupten Erfahrung mit Airlines und im speziellen mit der LH zu haben. Die Preise steigen der Kundenservice nimmt rapide ab.
    Die Preise sind gegenüber der Konkurrenz einiges teurer, teilweise bis zu 100%. Zugegeben die beste Konkurrenz lässt einem in Dubai umsteigen. Das habe ich über Jahre hinweg vermieden, aber zwischenzeitlich macht die LH es mir zunehmend schwerer.
    Teilweise habe ich sehr teure Flüge und stelle dann im Nachhinein fest das ich für eine Umbuchung was zahlen muss. Sehr gerne ist das die Klasse D innerhalb Europa.(Nur zur Info: Das ist ein Business Flug da kostet Salzburg Frankfurt ca. 1000 Euro Hin und Zurück).
    Da sollte ich für eine Umbuchung ca. 100 Euro bezahlen. Dafür bekommt man bei den Billigfliegern einen kompletten Flug. In Salzburg habe ich es auch erlebt, das für den Air Berlin Flieger eine Gangway mit Dach an den Flieger geschoben wurde und die LH Kunden mussten bei Regen eine offene Treppe nehmen.
    Das führt bei mir dazu das ich mit der Konkurrenz fliege. (um auch da einen gewissen Status zu haben) Das reicht immer noch bei der LH für den Senator, aber für mehr nicht mehr.
    Wenn die Entwicklung so weiter geht dann werde ich den Billigflieger nehmen, das macht vom Service her keinen großen Unterschied, aber die LH mit ihrer Struktur wird sich auf dieses Niveau langfristig nicht einlassen können.
    Wenn die Business Flieger der LH den Rücken kehren, kann diese ihr internationales Konzept begraben. Ich glaube nicht das ein Shanghai Flieger mit 500 ECO Personen a 495 Euro das Konzept tragfähig machen. Die 100 Business Flieger die bis 4500 Euro bezahlen eher schon.
    Um es auf den Punkt zu bringen. Alles was man den Business Fliegern genommen hat (Meilen, Qualität und Service) hat man für die Optimierung der ECO Plätze und somit für die Konkurrenz gegenüber den Billigfluglinien investiert.
    Keiner soll überrascht sein, wenn genau dieses Klientel sich nicht mehr erwünscht sieht.

  • Hochnäsige Lufthanseaten werden , wenn die Gehälter vor allem bei Piloten nicht sinken, in wenigen Jahren nicht mehr existieren. Top Airlines wie Emirates und Singapore liegen in der Gunst der Kunden weit vorne. Lufthanseaten verlieren durch ihr Verhalten konstant Marktanteile. Standorte in D werden abgebaut und ins Ausland verlagert und der Konzernsitz ins kostengünstigere Ausland verlagert.
    Gewerkschaften wie z.B Cockpit haben dem Unternehmen einen Schaden über 60 Mio Euro zugefügt. Einige Mitarbeiter sollten langsam begreifen das es keine staatliche Fluglinie mehr ist und der Wettbewerb gegen Emirates ohne Aussicht auf Erfolg ist.
    Tschüss Lufthaseaten

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