„Portfolio-Veränderung“
Tui setzt Hapag-Lloyd auf „Watch“

Tui-Konzernchef Frenzel hat die Anleger schon des öfteren mit seinen Strategieschwenks überrascht: Erst wollte er die Reedereitochter Hapag-Lloyd an die Börse bringen, machte dann einen Rückzieher, um schließlich zu einem hohen Preis die Sparte zu vergrößern. Alles Schnee von gestern. Es gilt eine neue Parole.

HB HANNOVER. Nach seiner Aufsichtsratssitzung teilte der Touristik- und Schifffahrts-Konzern am Donnerstagabend in Hannover mit, eine „Trennung von Hapag-Lloyd im jetzigen zyklischen Branchentief würde Vermögen gefährden“. Aber: „Bei Veränderung der Rahmenbedingungen wird der Vorstand dem Aufsichtsrat alle Aspekte einer Portfolio-Veränderung darlegen.“ Bisher hatte Konzernchef Michael Frenzel das von ihm geschaffene Zwei-Säulen-Modell der Tui aus Reise und Schifffahrt immer verteidigt.

Der Aufsichtsrat hatte zwei Tage über die Zukunft des Unternehmens beraten. Die Aussage zur künftigen Struktur des Konzerns verstärkt die Zweifel an einer klaren Strategie von Konzernchef Frenzel: Nachdem er Reederei-Tochter Hapag Lloyd im Jahr 2004 an die Börse bringen wollte, folgte nach wenigen Monaten eine Kehrtwende. Weil nicht genug Geld geboten wurde, sagte Tui den Börsengang ab. Kaum ein Jahr später kaufte Tui dann für 1,7 Mrd. Euro die britisch-kanadische Containerreederei CP Ships, um das Schifffahrts-Standbein zu stärken und erklärte die Sparte zum zweiten Kerngeschäft neben dem Tourismus.

Doch die Rechnung ging nicht auf. Anfang August schockte Tui die Börse mit einer Gewinnwarnung. Im Gesamtjahr 2006 werde das Ergebnis im Kerngeschäft „voraussichtlich unter dem des Vorjahres liegen“, ließ Frenzel erklären. Überraschend schwache Ergebnisse gerade der Reederei-Sparte zwangen ihn zu dem Schritt: Treibstoff sei deutlich teurer als erwartet und Preiserhöhungen im Containertransport hätten sich nicht durchsetzen lassen. Außerdem drückten 70 Mill. Euro Eingliederungskosten für CP Ships das Ergebnis. Der bisher so verlässliche Reederei-Gewinn brach im ersten Halbjahr um 180 Mill. Euro auf einen Verlust von 66 Mill. ein. Frenzel hatte den Ausbau der Schifffahrt dagegen mit den stabilisierenden Erträgen in dieser Sparte begründet.

Kritiker werfen Frenzel vor, just zu dem Zeitpunkt CP Ships gekauft zu haben, als die Preise für Reedereien am höchsten waren. Doch seitdem bröckelten die Frachtraten, also jene Preise, die die Schifffahrtsgesellschaften für den Warentransport erheben. Entsprechend weniger wert sind nun auch die Reedereien. Hapag Lloyd inklusive CP Ships gehört mit ihren 130 Schiffen und 7 000 Mitarbeitern zu den größten Unternehmen der Branche.

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