Preisanhebung schmeckt Fahrgastverband gar nicht
Bahn-Börsenpläne in der Kritik

Die Gewerkschaft Transnet hat gefordert, den Zeitplan für eine Teilprivatisierung schon 2006 zu stoppen. „Der geplante Börsengang ist nicht zu machen“, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen, der auch Vize-Vorsitzender des Bahn-Aufsichtsrats ist, am Mittwoch in Berlin.

HB BERLIN. Er beantragte eine Sondersitzung des Kontrollgremiums. Die Wirtschaftsverbände DIHK und BDI forderten eine Trennung des Gleisnetzes aus dem Bahn-Konzern für mehr Wettbewerb. Die Kritik an der zweiten Preiserhöhung der Bahn für Mill. Reisende binnen zwölf Monaten hielt unterdessen an.

Die wirtschaftlichen Voraussetzungen für einen Börsengang und Mehrheiten in Bundestag und Bundesrat seien derzeit nicht gegeben, sagte Hansen. Das Hick-Hack um Zeitpunkt und Umstände riefen bei den Beschäftigten Sorgen hervor. „Wer einen Ausgabenstopp verhängt, Preise erhöht, Züge streicht und Gesellschaften verkaufen will, der muss sich nicht wundern, wenn das Vertrauen der Mitarbeiter einen Tiefpunkt erreicht.“ Auch die Politik schaffe Verunsicherung mit Mittelkürzungen für die Schiene. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Wilhelm Schmidt, befürwortete grundsätzlich einen Börsengang. Aber das Gelände bei der Bahn sei derzeit „zumindest unüberschaubar, wenn nicht gar mit einigen Minen“ versehen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) stellten sich grundsätzlich hinter einen Börsengang der Bahn im vorgesehenen Zeitplan. Das Netz solle aber aus dem Konzern getrennt werden. Es dürfe dann nicht „zu einem Referat des Bundesverkehrsministeriums mutieren“. Vielmehr sei es als eigenständiges Unternehmen des Bundes wirtschaftlich zu führen und solle möglichst viele Eisenbahnunternehmen auf das Netz locken. Oft würden Transportgesellschaften derzeit darüber nicht nachdenken, weil sie Schwierigkeiten fürchten. Auch der Verkehrsclub Deutschland forderte eine Trennung von Netz und Transport.

Die Bahn und Transnet lehnen eine „Zerschlagung“ des Konzerns indes strikt ab. Bei der Erstellung des Fahrplans 2005 seien für alle Überschneidungen von Wünschen konkurrierender Anbieter bei der Trassenvergabe Lösungen gefunden worden, teilte die Bahn am Mittwoch mit.

Die Preiserhöhungen um 3,1 % im Fernverkehr und um bis zu 3,9 % im Nahverkehr zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember stießen auf Kritik beim Fahrgastverband Pro Bahn. Wenn die Bahn drei Prozent mehr Reisende anlockte, bekäme sie auf besserem Weg drei Prozent mehr Einnahmen, sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann der dpa. Dem „Fetisch Börsengang“ dürfe nicht alles untergeordnet werden. DIHK- Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben nannte es dagegen in einer Marktwirtschaft „völlig in Ordnung“, wenn ein Unternehmen versuche, Preissteigerungen durchzusetzen.

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