Primark
Billig-Mode bleibt ein Renner

Der Siegeszug von Primark scheint weiter unaufhaltsam: Im vergangenen Halbjahr steigerte der britische Mode-Discounter den Umsatz um über 20 Prozent. Auch in Deutschland hat die Billigkette noch viel vor.
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DüsseldorfJohn Bason gefällt es, wenn es so richtig voll ist in den Primark-Läden. Für den Finanzvorstand des britischen Mischkonzerns Associated British Foods (ABF), zu der auch die Teemarke Twinings und der Zuckerriese AB Sugar gehören, ist die Billigkette für Textilien eine der wichtigsten Beteiligungen. Sie verhalf dem Mutterkonzern im ersten Geschäftshalbjahr zu einem überraschenden Gewinnsprung.

Das bereinigte Betriebsergebnis legte um 36 Prozent auf 652 Millionen Pfund (rund 780 Millionen Euro) zu, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Umsatz stieg um 19 Prozent auf 7,3 Milliarden Pfund. Dazu trug auch das Betriebsergebnis der Textilkette Primark bei, dass in diesem Zeitraum von 313 auf 323 Millionen britische Pfund stieg. Der Umsatz der Textilkette kletterte sogar um 21 Prozent auf 3,2 Milliarden Pfund.

Auch in Deutschland hat Bason noch viel vor mit Primark. „Wir wollen sieben neue Läden eröffnen, in Berlin, München, Stuttgart, Bielefeld, Wuppertal, Ingolstadt und Bonn“, sagte er kürzlich dem Handelsblatt. So steigt die Zahl der Filialen in Deutschland in diesem und im kommenden Jahr von 22 auf 29.

Deutschland ist verglichen mit Primarks größtem Absatzmarkt Großbritannien noch ein Entwicklungsland. Dort betreibt die Kette bereits 176 Läden. Angesichts des viel größeren Filialnetzes in Großbritannien und der mit 65 Millionen Einwohnern gegenüber rund 80 Millionen in Deutschland sieht er von Flensburg bis München noch „ein enorm großes Potenzial für uns“.

So steigt der Konkurrenzdruck im deutschen Textilmarkt, der im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 62,7 Milliarden Euro schrumpfte. Vor allem die Modemarken in der Mitte des Marktes bekommen den Erfolg von Primark zu spüren. Aber auch andere Discounter oder Value Retailer, wie sie sich auch nennen, wie der Düsseldorfer Konzern C&A oder der schwedische H&M, leiden unter der Marktmacht des Konkurrenten.

Primark verzichtet weitgehend auf Werbung, lässt seine Kleidung schon in den Fabriken in Fernost verkaufsfertig mit Etiketten herstellen und arbeitet mit einer Flachen Hierarchie. So versucht die Primark-Mutter ABF die Kosten niedrig zu halten.

Es gibt immer wieder Kritik an der Qualität der Hosen, Jacken oder T-Shirts. Bason verweist dann darauf, dass die Textilien in ihrer Preisklasse zu den besten gehören. Außerdem gibt es Vorwürfe, Primark lasse zu schlechten Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern fertigen. Doch Bason verweist darauf, dass Primark inzwischen Mitglied in zahlreichen Organisationen ist, die sich um seriöse Arbeitsbedingungen kümmern.

Das Management warnte jetzt, dass die Pfundschwäche wegen des geplanten britischen EU-Beitritts das Gewinnwachstum bei Primark bremse. Die Prognose für die gesamte ABF-Gruppe für das Gesamtjahr hob er aber an. Seit dem Brexit-Referendum im Juni vergangenen Jahres war der Konsum eine der Stützen der britischen Wirtschaft. Experten befürchten aber, dass die Verbraucher wegen steigender Preise im Zuge des Pfundverfalls sparsamer werden. Zudem verteuert die Pfund-Schwäche wichtige Rohstoff-Importe.

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