Reckitt Benckiser
Cyberattacke wird für Putzmittel-Hersteller teuer

Reckitt Benckiser ist der erste Konzern, der die Kosten des jüngsten Cyberangriffs beziffert. Teile der Produktion und Auslieferung fielen aus. Nun senkt der Hersteller von Sagrotan und Durex-Kondomen die Umsatzprognose.
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LondonDie jüngste Cyberattacke mit dem Schadprogramm NotPetya auf Unternehmen und Behörden Ende Juni hat den britischen Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser hart getroffen: Der Hersteller von Reinigungsprodukten und Haushaltswaren, der für Marken wie Sagrotan, Vanish, Durex oder Scholl bekannt ist, rechnet im zweiten Quartal mit sinkenden Umsätzen. Das Unternehmen musste auch die Prognose für das laufende Geschäftsjahr senken, wie aus einer Mitteilung vom Donnerstag hervorgeht. Die Aktie des weltweit agierenden Konzerns gab am Donnerstag an der Börse in London um rund zwei Prozent nach.

Das Unternehmen erwartet für das zweite Quartal nach vorläufigen Berechnungen einen organischen Umsatzrückgang von zwei Prozent. Die Folgen der Cyberattacke herausgerechnet, geht Reckitt Benckiser von einer Stagnation aus. Einige der in dieser Zeit verlorenen Umsätze könnten jedoch in den drei darauf folgenden Monaten verbucht werden.

Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern noch mit einem Umsatzplus aus eigener Kraft um rund zwei Prozent. Bisher waren drei Prozent angepeilt. Das organische Wachstum klammert Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen aus.

Die Cyberattacke habe Produktion und Auslieferung zum Teil unterbrochen, hieß es. Einige Werke könnten derzeit immer noch nicht unter voller Last arbeiten. Zudem kann Reckitt Benckiser nach eigenen Angaben für einige Aufträge keine Rechnungen stellen. Das Unternehmen komme aber beim Wiederherstellen seiner Systeme voran.

Im Juni habe es zudem weniger Aufträge aus Indien gegeben, was im Zusammenhang mit der Einführung einer neuen Mehrwertsteuer in dem Land stehe. Die Auswirkungen seien jedoch deutlich geringer als die der Cyberattacke.

In der vergangenen Woche waren bei etlichen Unternehmen weltweit die IT- und Kommunikationssysteme durch eine Cyberattacke lahmgelegt worden, die vermutlich in der Ukraine gestartet worden war. So war auch Beiersdorf mehrere Tage in weiten Teilen lahmgelegt.

Telefone und Computer standen still, dazu Teile der Produktion weltweit. Trotz der Umsatzwarnung des Konkurrenten will der deutsche Dax-Konzern noch nicht beziffern, welche finanziellen Auswirkungen der Vorfall hat. Eine Sprecherin sagte, noch seien die Auswirkungen unklar, etwa wie stark Auslieferungen an Kunden beeinträchtigt waren. Der Konzern werde sich voraussichtlich Ende kommender Woche äußern. Bis Mittag gab die in den vergangenen Tagen gebeutelte Aktie dennoch um weitere gut eineinhalb Prozent nach. 

Im Beiersdorf-Hauptwerk Hamburg läuft die Produktion nach Unternehmensangaben wieder vollständig. Lediglich der Zugriff auf einige Laufwerke sei noch nicht komplett wieder möglich. Beiersdorf arbeitet bei der Aufklärung mit dem Landeskriminalamt Hamburg zusammen. Daten sollen nicht gestohlen worden sein. Angaben, wieso die Attacke bei dem Nivea-Hersteller so umfassend gelingen konnte, wollte Beiersdorf nicht machen. Konzernchef Stefan Heidenreich sagte vergangene Woche lediglich, im Nachgang wolle Beiersdorf prüfen, ob parallele IT-Systeme aufgebaut würden, um bei künftigen Vorfällen schnell wieder arbeitsfähig zu sein.

Nach einer Analyse durch Experten tarnte sich das Angriffsprogramm als Erpressungstrojaner. In Wirklichkeit ging es darum, Daten zu löschen, statt sie zu verschlüsseln. Bei Erpressungssoftware wird üblicherweise der Inhalt der Festplatte verschlüsselt, um Lösegeld für eine Freischaltung zu verlangen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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