Reedereien
Auf Krisen-Kurs

Überkapazitäten und ein lahmender Welthandel belasten die Schiffsreeder. Viele müssen Teile ihrer Handelsflotten außer Dienst stellen. Da die Banken mit Krediten knausern, suchen die Reeder jetzt nach neuen Geldquellen.
  • 0

Berlin/Frankfurt„Sturmtief voraus - deutsche Reeder suchen Kurs aus der Krise“, so bringt die Wirtschaftsberatungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) die Ergebnisse ihrer jüngsten Umfrage unter rund 100 deutschen Reedern auf den Punkt. Denn gut ein Drittel der Reedereien sah sich in den vergangenen zwölf Monaten gezwungen, einen Teil der Handelsflotte vorübergehend außer Dienst zu stellen. Die Branche verbucht das fünfte Krisenjahr in Folge.

Die deutsche Handelsflotte ist nach Angaben der IHK Hamburg mit knapp 4000 Schiffen global führend und nimmt in der Containerschifffahrt den ersten Platz ein. Doch gerade Containerschiffe wurden viel zu oft bestellt, der Markt leidet unter massiven Überkapazitäten. Die gibt es auch bei Massengutfrachtern, die zum Beispiel Erz transportieren, oder Öl-Tankern. Sinkt der Auslastungsgrad der Schiffe, drückt das die Frachtraten. Und die Reeder bekommen Probleme mit ihren Kredite.
Viele Banken haben das bereits zu spüren bekommen und ihre Risikovorsorge für gefährdete Kredite kräftig aufgestockt. Dazu gehören die in Deutschland führenden Schiffsfinanzierer HSH Nordbank und Commerzbank, die einen Schwerpunkt bei der Finanzierung der Containerschifffahrt haben. Das hat Schleifspuren beim Ergebnis hinterlassen.
Auch die Ergebnisprognose für 2012 hat die HSH Nordbank unter Vorbehalt gestellt. „Sofern es zu keiner weiteren Verschärfung der Lage in der internationalen Seeschifffahrt kommt, erwartet die HSH für das laufende Jahr aus heutiger Sicht ein positives Ergebnis“, sagte Vorstandschef Paul Lerbinger kürzlich. Die Commerzbank erwartet im laufenden Jahr höhere Wertberichtigungen als 2011, so dass Gewinne dort wohl eher eine Überraschung wären.

Die Überkapazitäten werden den Markt nach Einschätzung von Dagfinn Lunde, dem für Schiffskredite zuständigen Vorstand der DVB Bank, noch lange belasten. „Aber der Schiffsmarkt steckt nicht generell in der Krise“, sagte er dem Handelsblatt. Offshore-Schiffe, die Tiefseebohrungen vornehmen, oder Flüssiggastanker liefen gut. „Grob kann man sagen: Je größer das Schiff, desto größer die Probleme“, sagte er mit Blick auf Container- und Frachtschiffe. Da die DVB sehr unterschiedliche Schiffstypen finanziert, verdiente sie auch während der Krise gut.

Kommentare zu " Reedereien: Auf Krisen-Kurs"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%