Regionalflughäfen
Baden-Baden geht baden

Mehr Passagiere heben von deutschen Flughäfen ab. Doch für viele Provinz-Airports geht es weiter bergab: Regional-Airlines verschwinden, Billigflieger ziehen Maschinen ab. Die Regionalflughäfen stecken in der Klemme.
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DüsseldorfSie heißen Allgäu Airport, Baden-Airpark oder Bodensee-Airport. Das klingt nicht nur regional, die Flughäfen sind es auch. Neben den großen deutschen Drehkreuzen Frankfurt, München, Berlin und Düsseldorf buhlen die Airports aus der Provinz um jeden Start und jede Landung. Von Lübeck bis Friedrichshafen werben sie um jeden Reisenden – und kommen trotzdem nicht so recht vom Fleck.

Im Jahr 2013 ist die Zahl der Passagiere an den deutschen Flughäfen wohl leicht gestiegen – bis Ende November waren es 0,6 Prozent mehr. Noch haben zwar nicht alle Airports ihre Verkehrszahlen für das abgelaufene Jahr veröffentlicht, doch schon jetzt ist klar: Viele Regionalflughäfen bekommen vom Mini-Wachstum nichts ab. Ganz im Gegenteil: sie müssen nach Rückschlägen in den Vorjahren mit einem weiteren Minus zurechtkommen.

Besonders bergab ging es 2013 an den Zweistadt-Flughäfen Karlsruhe/Baden-Baden und Münster/Osnabrück. Der Baden-Airpark verlor 225.000 Passagiere – ein Minus von 17,3 Prozent im Vergleich zum Rekord im Vorjahr. Der Flughafen Münster/Osnabrück verbuchte 16 Prozent weniger Reisende. Nur noch 862.000 waren es in 2013. Damit hat der Flughafen im Grenzgebiet von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen binnen zwei Jahren fast eine halbe Million Passagiere verloren. Dabei ist das Terminal auf bis zu 2,5 Millionen Menschen im Jahr ausgelegt.

Mit diesen drastischen Einbrüchen sind die beiden Flughäfen die negativen Ausreißer. Doch bei einigen Regionalflughäfen gebe es „eine langanhaltende Tendenz nach unten“, meint René Steinhaus von der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney.

Die niedrigen Passagierzahlen bleiben ein wirtschaftliches Problem der meisten Provinz-Airports. Trotz jahrelanger Subventionen ringen viele ums Überleben: Erst Anfang Januar beschloss die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern, die Zuschüsse für den Flughafen Rostock-Laage auf eine Million Euro zu verdoppeln. „Ein Flughafen dieser Art braucht dauerhaft Zuschüsse“, begründete Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) vielsagend. Auch der Hunsrück-Flughafen Frankfurt Hahn braucht mehr Steuergelder – Ende Dezember wurde ein Sanierungskonzept beschlossen.

Kommentare zu " Regionalflughäfen: Baden-Baden geht baden"

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  • Die Verschwendung von Steuergeldern ist das Eine. Fraglos ein Unding und letztlich in den allermeisten Fällen wohl nur im Ego von Lokal-, Landes- oder Bundespolitikern begründet. Wir alle zahlen.

    Hobby-Piloten und insbesondere Segelflieger zahlen sogar doppelt. Die, die eine nahezu vollständig umweltfreundliche Variante der Fliegerei ausüben, die jungen Menschen den wirklich kostengünstigen Zugang zu einem ansonsten eher teuren Freizeitvergnügen ermöglichen (weil private Flüge, anders als die von Airlines, Energieverbrauchssteuer zahlen - so viel zur Verzerrung durch die Sitzplatzabgabe). Warum? Unser Sportplatz ist der Himmel und jeder dieser unwirtschaftliche und unnützen Flughäfen bekommt von der DFS einen riesigen Luftraumbereich, den insbesondere Segelflieger nur selten überhaupt befliegen dürfen. Das alles für manchmal nichtmal 10 Starts am Tag. Wenn ein Spediteur das für seine LKW auf der A57 fordern würde, würde er gelyncht.

  • EU erlaubt Subventionen nur für 10 Jahre.

    Das ist nach langer Zeit das erste mal, das ich von der EU was sinnvolles höre.
    Hofentlich gilt das Rückwirkend...

    Ich wette, die Hälfte der Regionalflughäfen gibt es nur, damit die Parteibonzen schnell mal nach Berlin kommen...

  • Welche Aufgabe hat ein Politiker im Amt? Er muss das verhindern. Das ist eine seiner Aufgaben.

    An einen Bankschalter kommen täglich bestimmt auch viele Menschen, die Geld wollen aber keines bekommen und dann mit Kündigung drohen. Das ist das Leben. Trotzdem wird kein Bankangestellter auf die Idee kommen Geld auszubezahlen.

    Wenn die Industrie einen Flughafen fordert, dann steht es ihr frei einen Fonds aus dem Boden zu stampfen mit dem sie einen eigenen Regionalflughafen bauen. Dann ist aber Chance auf Gewinn _und_ Risiko auf Verlust bei der Wirtschaft und nicht in der öffentlichen Hand.

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