Restrukturierung
Jil Sander kommt nicht zur Ruhe

Die Auseinandersetzung um die Luxusmodemarke Jil Sander geht in eine neue Runde. Das vom neuen Mehrheitsaktionär, dem britischen Finanzinvestor Change Capital Partners, angestrengte Delisting droht sich zu verzögern. Ein Kleinaktionär will die angebotene Barabfindung nicht akzeptieren – und droht so die Restrukturierung des Unternehmens zu gefährden.

DÜSSELDORF. „Verbleibt die Jil Sander AG weiter an der Börse, dann ist unser Ziel gefährdet, im laufenden Geschäftsjahr die Gewinnschwelle zu erreichen. Neben den Kosten in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro für Veröffentlichungspflichten einer börsennotierten Gesellschaft werden auch interne Abläufe blockiert“, sagte Armin Müller, Finanzvorstand der Jil Sander AG, dem Handelsblatt. Zum laufenden Verfahren wollte sich Müller nicht äußern.

Die britische Investorengruppe Change Capital Partners um den früheren Carrefour-Aufsichtsratschef Luc Vandevelde und den ehemaligen Marks&Spencer-Chef Roger Holmes hatte im Mai 2006 angekündigt, die Kleinaktionäre mit einer Zwangsabfindung aus dem Unternehmen drängen zu wollen. Gegen die auf der Hauptversammlung vom 5. September 2006 beschlossene Barabfindung in Höhe von 347,94 Euro – weit unter dem letzten Börsenkurs, aber über dem vom bestellten Wirtschaftsprüfer ermittelten Unternehmenswert – hatten 15 Kleinaktionäre geklagt. Einem Teilvergleich in Höhe von bis zu 371,03 Euro je Vorzugsaktie stimmten im April dieses Jahres 14 der 15 Kleinaktionäre zu.

Lediglich die Beteiligungsgesellschaft SCI aus Usingen bei Frankfurt will ihr Paket von zehn Prozent des Streubesitzes von rund 3 700 Aktien der insgesamt 120 000 Vorzugsaktien nicht verkaufen. „Die bisher angebotene Abfindung ist uns zu wenig. Die Jil Sander AG steht am Anfang der Restrukturierung. An der Wachstumsgeschichte wollen wir teilhaben. Wir werden durch alle Instanzen gehen“, sagte SCI-Vorstandschef Oliver Wiederhold dem Handelsblatt.

Die Krise der Jil Sander AG setzt sich damit fort. Für rund 100 Mill. Euro hatte die für ihren puristischen Stil berühmte Modedesignerin die Mehrheit an der Jil Sander AG im Jahr 1999 an den Mailänder Luxusmodekonzern Prada verkauft. Doch Prada-Chef Patrizio Bertelli bekam die Marke nicht in den Griff. Seit 2001 schreibt die Jil Sander AG rote Zahlen. Die Mailänder Mutter zog 2005 die Notbremse. Prada schloss das Werk in Ellerau und baute die Hamburger Zentrale um. Rund 300 Mitarbeiter verloren ihren Job. Der belgische Designer Raf Simons belebte die Marke kreativ. „Raf Simons hat die Marke Jil Sander mit modernsten Materialien und überraschenden Effekten wie Farbblitzen weiterentwickelt. Ihr Alleinstellungsmerkmal der klaren, weichen Silhouette hat er dabei bewahrt“, sagt Clemens Pflanz von der Strategieberatung Roland Berger.

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