Rettungskonzept
Hertie probiert’s mit alten Rezepten

Das gestern von Insolvenzverwalter Biner Bähr vorgelegte Rettungskonzept, das den angeschlagenen Hertie-Warenhäusern wieder auf die Beine helfen soll, stößt bei Branchenexperten auf erhebliche Skepsis. Das Konzept unterscheidet sich kaum von dem des gescheiterten Vorgängers - und auch bei den lange bekannten Mängeln hat Hertie nicht nachgebessert.

DÜSSELDORF. "Das Konzept überzeugt mich nicht", zeigt sich Michael Hauf, Chef der Bielefelder Modeberatung Hachmeister + Partner, von der geplanten Neuausrichtung enttäuscht. Und auch Michael Stoermer, Einzelhandelsexperte der Münchener Beratungsfirma Value Management Partner, gibt dem Rettungsversuch wenig Chancen: "Mit den präsentierten Rezepten versuchen es andere bereits seit fünf Jahren", moniert er. "Bislang jedoch ergebnislos."

Die von der Berliner Unternehmensberatung Paul und Collegen entwickelten Pläne lesen sich in weiten Teilen wie das Konzept, das der inzwischen gescheiterte Hertie-Vorbesitzer Dawnay Day schon nach der Übernahme im Herbst 2005 präsentierte: Jedes Warenhaus möchte die Hertie-Zentrale individuell der lokalen Wettbewerbssituation anpassen, möglichst viele Abteilungen sollen von Lieferanten wie S. Oliver oder Tom Tailor selbstständig geführt werden. Zudem wolle man mit neuen Standorten expandieren. "Umsatzsteigerung ist Ziel unserer Strategie", betont Bähr.

Sogar die Übernahme von Sinn-Leffers-Filialen prüfe man derzeit, sagt der Insolvenzverwalter. Der Hagener Modefilialist war ebenso wie Hertie vor drei Jahren von Karstadt-Quelle verkauft worden. Nur wenige Tage nach der Hertie-Pleite Ende Juli beantragte auch Sinn-Leffers ein Insolvenzverfahren, will sich nun aber - anders als Hertie - von gut der Hälfte seiner 47 Häuser trennen.

Mit ähnlichen Plänen war der britische Eigentümer Dawnay Day, der Hertie nie aus den roten Zahlen bekam, in Essen gescheitert. Damals hatten die Geschäftsführer von einer Expansion in Deutschland und Osteuropa geschwärmt - zu der es freilich nie kam. Auch die versprochene Ausrichtung am lokalen Wettbewerb blieb aus, wie das Hertie-Management gestern einräumte. Zu häufig habe die Leitung in der Zentrale gewechselt, um das Konzept durchzusetzen, hieß es dort gestern. Das alles werde sich nun ändern.

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