Rewe-Chef Alain Caparros
„Der Selbstmord ist kollektiv“

Bevor er 2006 den Vorstandsvorsitz der Rewe Group übernahm, war Alain Caparros für das Rewe-Auslandsgeschäft und die Discountkette Penny zuständig. Im Interview spricht der gebürtige Franzose über seine Pläne für den Einstieg in den Online-Handel mit Lebensmitteln, die Renaissance der Supermärkte und die Preisschlachten der Discounter.
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Herr Caparros, der Online-Händler Amazon verkauft neuerdings Lebensmittel via Internet, die hessische Supermarktkette Tegut startet gerade damit. Selbst der Hamburger Otto-Versand erwägt, in das Geschäft einzusteigen. Wie lange wird es den klassischen Supermarkt noch geben?

Alain Caparros: Wenn ich mir die derzeitigen Online-Angebote anschaue, noch sehr, sehr lange. Wir haben ein paar Testkäufe bei einzelnen Wettbewerbern gemacht - es war abenteuerlich. Sie müssen eine halbe Woche vorher bestellen und wenn die Ware kommt, brauchen Sie allein für die vielen Verpackungen einen zusätzlichen Müllcontainer, ganz zu schweigen von den Versandkosten.

Das klingt, als wären Sie ein Online-Gegner.

Das Gegenteil ist richtig. Ich bin überzeugt davon, dass der Online-Handel mit Lebensmitteln funktioniert. Viele meiner Freunde in Frankreich kaufen fast nur noch per Internet ein. In Deutschland fehlt dafür bisher einfach das richtige Angebot. Aber das werden wir hoffentlich bald ändern.

Heißt das, Sie werden auch in den Online-Handel mit Lebensmitteln einsteigen?

Wir werden von Winter 2011 an in zwei, drei großen deutschen Städten starten und zwei unterschiedliche Online-Konzepte testen.

Was haben Sie vor?

Wir wollen zum einen eine Art Drive-in-Supermarkt erproben. Das Modell dafür ist ein Rewe Express Markt, den wir in Köln seit Beginn dieses Jahres testen. Dort bestellt der Kunde zunächst online seine Ware, fährt dann zu einer vereinbarten Uhrzeit zur Filiale und braucht nur noch den Kofferraum zu öffnen und die Produkte in Empfang zu nehmen. Zum anderen werden wir unseren Kunden die Möglichkeit bieten, sich von Rewe beliefern zu lassen. Die Kunden werden dann ihren kompletten Einkauf bei uns online bestellen können.

Vom Kasten Bier bis zum Sack Kartoffeln?

(lacht) Das sind unsere Lieblingskunden: sich die schweren, preiswerten Sachen nach Hause in die fünfte Etage liefern lassen. Aber im Ernst: Egal, ob unsere Kunden Getränke, Obst, Tiefkühlkost oder Käse bestellen, wir werden liefern. Das ist extrem aufwendig - wenn die Leute nicht zu Hause sind, können wir die Lebensmittel ja schlecht vor der Tür stehen lassen -, gehört zum Service aber dazu.

Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?

Anfangs werden das Drive-in und das Lieferkonzept sicherlich nur einen sehr geringen Anteil am Umsatz ausmachen. Aber für uns sind solche neuen Ansätze auch eine Art Versicherung für die Zukunft. Wir können es uns nicht leisten, wichtige Trends zu verschlafen.

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