Ringtausch
Tengelmann prüft Firmenumbau

Im Einzelhandel zeichnet sich ein Ringtausch zwischen Rewe und dem Rivalen Tengelmann ab. Eine eigentlich ganz beiläufig klingende Meldung könnte die Neuordnung des Handelskonzerns Tengelmann einläuten.

DÜSSELDORF. Die Mülheimer kaufen dem Obi-Gründer Lux den Firmenanteil ab und stocken die Beteiligung an Deutschlands größter Baumarktkette auf 74 Prozent auf. Für die elf Prozent, die der Wermelskirchener Werkzeuggroßhändler zuletzt noch an Obi hielt, zahlt der sonst sparsame Familienkonzern aus dem Ruhrgebiet nach Handelsblatt-Berechnungen rund 300 Mill. Euro.

Auf den ersten Blick hat die Investition nur wenig Sinn, schließlich haben die Mülheimer bei Obi schon seit der Mehrheitsübernahme 1985 das Sagen. Handelsexperten mehrerer deutscher Beratungsfirmen vermuten deshalb, dass Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub etwas ganz anderes im Sinn hat: das Tochterunternehmen loszuwerden. Für diese These spricht allein schon, dass Obi-Chef Sergio Giroldi seit Monaten versucht, aus Obis Franchisenehmern Minderheitsgesellschafter zu machen. Auch das würde den Do-it-Yourself-Riesen deutlich marktfähiger machen.

Wahrscheinlicher als ein simpler Verkauf erscheint inzwischen ein Unternehmenstausch. Als Partner hat sich dazu zuletzt der Kölner Konkurrent Rewe in Stellung gebracht. Schon im Frühjahr habe es Sondierungsgespräche zwischen den beiden Unternehmen gegeben, berichtet das Fachblatt „Lebensmittelzeitung“. Dabei sei es um den Verkauf der schwächelnden „Tengelmann“- und „Kaiser’s“-Supermärkte an Rewe gegangen, aber auch um eine Kooperation oder Fusion der beiden Discounttöchter Plus und Penny. Besonders auf das erfolgreiche Auslandsgeschäft von Penny habe es Tengelmann-Chef Haub abgesehen.

Verkaufsabsichten für das Supermarktgeschäft gebe es nicht, dementierte Familienoberhaupt Karl-Erivan Haub. Gegenüber der Prager Handelsblatt-Schwesterzeitung „Hospodarské Noviny“ aber bestätigten Unternehmenskreise, dass es Gespräche mit Rewe gegeben habe. An der Moldau schlugen daraufhin die Wellen hoch: Kämen die Lebensmittelketten von Tengelmann („Plus“) und Rewe („Billa“, „Delvita“, „Penny“) hier unter gemeinsame Führung, entstünde aus der Nummer sieben und der Nummer fünf im Land ein neuer Marktführer – vor Kaufland und Lidl. Auch in vielen Ländern Osteuropas wie Polen, Ungarn, Bulgarien und Rumänien würde ein Zusammengehen der beiden Lebensmittelhändler deren Marktstellung deutlich verbessern.

Wahrscheinlicher ist aber eine andere Konstellation. So könnte der Kölner Rewe-Konzern, der seine Baumarkttochter Toom durch den eingefädelten Zukauf der Marktkauf-Baumärkte derzeit zur Nummer drei in Deutschland ausbaut, die Fühler auch nach Obi ausstrecken. Beide Wettbewerber würden durch eine Fusion ihre akuten Probleme auf einen Schlag beseitigen. Denn noch immer schreibt Rewe mit seinen Heimwerkermärkten rote Zahlen; Obi steht wegen entgangener Übernahmegelegenheiten kurz davor, die Marktführerschaft an Wettbewerber Praktiker abgeben zu müssen.

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