Roland-Berger-Prognose
Rezession beschleunigt Konzentration in der Messewirtschaft

Weltweit wird die Zahl der Messen um ein Viertel sinken, prognostizieren Experten. Je stärker einzelne Märkte wegbrechen, desto mehr verlieren auch Messen in ehemaligen Boomregionen an Bedeutung. Anbieter, die in diesem schwierigen Umfeld überleben wollen, müssen weltweit wachsen.

MÜNCHEN. Werden langfristig nur eine Hand voll Messeveranstalter den weltweiten Messemarkt dominieren, davon zwei bis drei aus Europa? Auf den ersten Blick scheint dies eine steile These. Denn über viele Jahrzehnte haben wir uns an eine Vielfalt an Messen und Ausstellungen gewöhnt. Entgegen vieler Unkenrufe und Warnungen hat diese Vielfalt gerade in den letzen zwei Jahrzehnten sogar noch zugenommen. Weltweit investierten Städte in Messen, um die lokale Wirtschaft zu fördern.

Heute zeigt sich aber, dass die Kritiker dieser Entwicklung Recht behalten haben. Die Wirtschaftskrise wird auch im Messewesen deutliche Spuren hinterlassen. Prognosen von Roland Berger Strategy Consultants zufolge wird der Umsatz des weltweiten Messemarkts nach langen Jahren des Wachstum in der Krise zwischen 20 und 30 Prozent zurück gehen. Sollte die Wirtschaftskrise nicht in diesem Jahr ihren Tiefpunkt erreichen, dürfte sich die Anzahl der Messen weltweit um bis zu ein Viertel verringern. Vor allem Klein- und Kleinstmessen mit allenfalls regionaler Bedeutung, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, werden der Krise zum Opfer fallen.

Messen sind Spiegel der Märkte und untrennbar mit diesen verflochten. Wachsende Märkte lassen neue Messen entstehen, aber leider funktioniert das Prinzip auch mit umgekehrten Vorzeichen. Je stärker einzelne Märkte wegbrechen, desto mehr verlieren auch Messen in ehemaligen Boomregionen an Bedeutung. Ein Beispiel ist die Rückkehr der Modemesse Bread & Butter von Barcelona nach Berlin. Ein anderes Beispiel ist Dubai: Dort sollte nicht nur eine neues, sondern in mehreren Bauabschnitten auch das weltweit größte Messegelände entstehen. Diese Pläne wurden längst wieder zurück gestellt.

Viele ausländische Kommunen und Regionen haben versucht das nachzuahmen, was sich gerade in Deutschland als Erfolgsmodell erwiesen hatte. Noch zeigt sich Deutschlands Messebranche krisenfest: Während der weltweite Messemarkt im vergangenen Jahr stagnierte und in den USA sogar um 3,1 Prozent schrumpfte, wuchs er in Deutschland um sieben Prozent. Die Anbieter erzielten mit knapp drei Mrd. Euro sogar einen Umsatzrekord.

Natürlich wird die Wirtschaftskrise ihre Spuren auch in den Bilanzen der deutschen Messeplätze hinterlassen. Voraussichtlich wird sie aber auch dazu führen, dass diese erneut Marktanteile gewinnen. Denn es ist zu erwarten, dass Industrie und Handel die Messeausgaben auf international bedeutsame Veranstaltungen konzentrieren werden. Viele dieser Premiumshows, auf die Aussteller am wenigsten verzichten wollen, sind in Deutschland beheimatet.

Verstärken wird die Krise die Konsolidierung. Bereits in den vergangenen Jahren haben die 20 führenden Messegesellschaften ihren Marktanteil am weltweiten Messemarkt gesteigert, allein seit 2005 um knapp fünf Prozent. Beispiele in anderen Branchen gibt es reichlich. Die Prognose, dass sich langfristig nur etwa fünf Automobilhersteller behaupten werden, gewinnt gerade jetzt neue Nahrung. So war es auch vor wenigen Jahren unvorstellbar, dass Länder wie die Schweiz, Italien, Österreich oder Belgien keine eigenständigen Airlines mehr haben könnten.

Seite 1:

Rezession beschleunigt Konzentration in der Messewirtschaft

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%