Sanierung
Schwarze Löcher im U-Bahnnetz

Londons U-Bahn ist gnadenlos veraltet, die Sanierung schon lange beschlossene Sache. Doch bis das älteste Nahverkehrsystems der Welt tatsächlich modernisiert wird, könnten noch Jahre vergehen. Denn zwischen den öffentlichen Auftraggebern und privaten Investoren ist ein Streit über die Finanzierung entbrannt.

LONDON. Eigentlich könnten die Londoner stolz sein auf ihre Untergrundbahn. Mit 400 Kilometer Streckennetz und 274 Stationen ist die Tube nicht nur das längste Nahverkehrssystem der Welt, sondern auch das älteste. Bereits 1863 wurde die erste Station eröffnet.

Doch genau das ist das Problem. Die Anlagen sind marode und störanfällig. Alle Versuche der Regierung und des Londoner Bürgermeisters, die „Underground“ mit Hilfe von privatem Kapital ins 21. Jahrhundert zu befördern, scheiterten.

Jetzt drohen auch dem letzten noch verbliebenen Gemeinschaftsprojekt zwischen öffentlichen Auftraggebern und privaten Investoren ernste Schwierigkeiten. Die Probleme der Public Private Partnership (PPP) Tube Lines sind auch ein schwerer Rückschlag für die Privatisierungspolitik der Labour-Regierung unter ihrem Premierminister Gordon Brown.

Gestern meldete Londons Bürgermeister Boris Johnson „ernste Zweifel“ an, dass Tube Lines die bis Ende des Jahres versprochenen Leistungen wirklich erbringen könne. Das für den Zugbetrieb verantwortliche Staatsunternehmen London Underground drohte mit Strafzahlungen in Millionenhöhe. Tube Lines hatte sich bei der Teilprivatisierung des Londoner U-Bahnnetzes im Jahr 2003 einen 30-jährigen Vertrag für die Unterhaltung und die Renovierung der Jubilee Line, der Northern Line und der Picadilly Line gesichert. Das Konsortium wird von dem US-Ingenieur- und Baukonzern Bechtel geführt. Daneben ist Amey, eine Tochter des spanischen Bauunternehmens Ferrovial, an dem Projekt beteiligt.

Bei dem Streit zwischen Behörden und Tube Lines geht es vor allem um die Renovierung der Jubilee Line, die unter anderem das Finanzviertel Canary Wharf bedient. „Ich bin sehr enttäuscht über die fehlenden Fortschritte“, machte Bürgermeister Johnson klar. Tube Lines und London Underground streiten seit längerem über das Finanzierungsvolumen, das für die Sanierung der U-Bahnlinien notwendig ist. Tube Lines forderte ursprünglich 7,2 Mrd. Pfund für die Erfüllung der zweiten Phase des Betreibervertrags, die bis 2017 läuft. London Underground glaubt dagegen, dass 4,1 Mrd. Pfund ausreichen müssten. „Tube Lines muss jetzt beweisen, dass Public Private Partnerships tatsächlich funktionieren können“, forderte Richard Parry, Chef von London Underground, gestern.

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