SAS
Drei-Länder-Chaos

Streiks haben der SAS in den vergangenen Wochen mächtig zu schaffen gemacht, denn die Airline ist nach massiven Sparmaßnahmen noch längst nicht wieder im Steigflug. Das größte Problem dabei: An der Fluggesellschaft sind drei Länder beteiligt. Und diese wollen den Steuerknüppel erstmal nicht loslassen.

STOCKHOLM. Well connected – gut verbunden, lautet der Leitspruch der skandinavischen Fluggesellschaft SAS. Für Vielflieger klang das in den vergangenen Wochen wie der blanke Hohn. Streiks, zum Teil wilde, haben der von Dänemark, Norwegen und Schweden betriebenen Airline mächtig zu schaffen gemacht. Zuletzt hatten 800 Kabinenangestellte in Schweden ihre Arbeit niedergelegt und die SAS gezwungen, nahezu den gesamten Flugverkehr einzustellen. Fünf Tage lang blieben Zehntausende auf den Flughäfen sitzen. Schlimmer noch: Die Kunden entdeckten vermutlich, dass es auf vielen Strecken in Europa gute Alternativen gibt.

Der zu Jahresbeginn angetretene SAS-Chef Mats Jansson hätte sich keinen komplizierteren Start vorstellen können: Bereits im März legte ein wilder Streik des dänischen Kabinenpersonals den Flugbetrieb nahezu vollständig lahm und verursachte Kosten von fast elf Millionen Euro. Der gerade beigelegte Arbeitskonflikt schlägt noch einmal mit einem ähnlichen Betrag zu Buche. Zu viel auf jeden Fall für eine Airline, die durch massive Sparmaßnahmen in den vergangenen Jahren gerade einmal den heftigsten Turbulenzen entkommen, sich aber noch längst nicht wieder im Steigflug befindet.

Das größte Problem der SAS wird sich auch so schnell nicht lösen lassen: An der Fluggesellschaft sind der schwedische Staat mit 21,4 Prozent Norwegen und Dänemark mit jeweils 14,3 Prozent beteiligt. Die drei Länder sitzen also im Cockpit und steuern den nordischen Vogel. Obwohl die neue bürgerliche Regierung in Stockholm den Verkauf von staatlichen Beteiligungen an sechs Konzernen angekündigt hat, müssen sich SAS-Interessenten abwarten. Die Airline ist nicht im Angebot.

Das hat einen guten Grund: Während sich der dänische wie der schwedische Staat prinzipiell einen Verkauf ihrer Anteile vorstellen können, lehnt Norwegen das kategorisch ab. Oslo droht sogar damit, bei einem Verkauf des schwedischen Anteils selbst als Käufer aufzutreten. Ein Vorkaufsrecht gibt es zwar nicht, aber eine Informationspflicht. Sollte Schweden seinen SAS-Anteil abgeben, würde Oslo rechtzeitig vor allen anderen Interessenten informiert werden und könnte die Aufstockung des eigenen Anteils vorbereiten.

Die so häufig vermutete Übernahme durch die Lufthansa sieht also nur auf den ersten Blick logisch aus. SAS wie Lufthansa sind zwar Mitglieder Star Alliance. Doch eine Übernahme der SAS durch die Lufthansa ist unwahrscheinlich, solang die jetzige Eignerstruktur bei der nordischen Airline weiter existiert.

Mats Jansson war früher im Lebensmittel-Einzelhandel tätig. Aus der Zeit weiß er, wie wichtig gute Kundenbeziehungen sind, wie wichtig es ist, an jedem einzelnen Kostenschräubchen zu drehen. Damit hat er begonnen. Allerdings bauen sich weitere, fast unüberwindbare Hürden vor ihm auf. Wegen der Drei-Länder-Konstruktion des Konzerns stehen seit Jahrzehnten nationale Empfindlichkeiten vor reinen Aktionärsinteressen.

Es geht den Regierungen in Kopenhagen, Oslo und Stockholm in erster Linie darum, das Beste für ihr Land herauszuholen und nicht für das Wohl des Gesamtkonzerns zu sorgen. Das zeigt sich bei der Besetzung von Führungspositionen oder der Platzierung von Konzernsparten. Und das zeigt sich bei Arbeitskonflikten: Insgesamt muss die SAS mit 39 verschiedenen Gewerkschaften in drei Ländern verhandeln. Weitere Streiks sind in den kommenden Monaten programmiert. Hilfreich wäre eine Aufteilung in drei völlig unabhängige Fluggesellschaften. Dann könnten die Regierung schalten und walten. Wichtiger aber: Eine privatisierte schwedische SAS wäre zwar kleiner, hätte aber wieder Wind unter den Flügeln – mit oder ohne Partner.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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