Schiedsverfahren wird nicht angewendet
Swiss einigt sich mit Piloten über Entlassungen

Die Fluggesellschaft Swiss hat eine der Hürden für die zu ihrem Überleben notwendige Verkleinerung genommen. Die Airline einigte sich mit den Gewerkschaften über die Entlassung von bis zu etwa 750 Piloten, wie Swiss am Mittwoch mitteilte. Swiss ist dafür zur Zahlung von Abfindungen bereit.

Reuters ZÜRICH. Swiss kann nun wie geplant 559 Piloten entlassen, die zur ehemaligen Crossair gehört hatten. Im Gegenzug zahlt die Airline ihnen Abfindungen. Ein Sprecher des Verbands der früheren Crossair-Piloten, Swiss Pilots (SPA), schätzte die Höhe der Zahlungen auf insgesamt zwischen 50 und 60 Millionen sfr.

Die SPA verzichtet auf die Durchsetzung eines Schiedsgerichtsurteils zu den Entlassungsplänen der Swiss. Das von den SPA-Piloten erstrittene Schiedsurteil sah vor, dass die Entlassungen anteilsmässig auf die Corps der Crossair und der ehemaligen Swissair verteilte werden müssen. Dieser Plan hätte, so Swiss, die für das Überleben der Airline notwendigen Umstrukturierungen gefährdet. In Zukunft allerdings soll nach Gewerkschaftsangaben bei weiteren Entlassungen das von der Schiedsstelle postulierte Verfahren gelten.

Auch mit der Gewerkschaft der früheren Swissair-Piloten, Aeropers, ist eine Einigung über die Streichung von bis zu 200 Stellen erzielt worden, teilte Aeropers mit. Um Entlassungen zu vermeide, habe man sich auf ein Teilzeitmodell geeinigt für alle ehemaligen Swissair-Piloten geeinigt.

Die Zustimmung der Mitglieder der beiden Piloten-Gewerkschaften zu den jeweiligen Vereinbarungen steht allerdings noch aus.

Die Einigung mit den Piloten-Gewerkschaften gilt als eine der Voraussetzungen für den im Juni angekündigten Umbau der angeschlagenen Swiss, die Personal und Flotte drastisch kürzen will.

Bezüglich des von Swiss geplanten Abbaus von insgesamt 3000 Stellen sind die Verhandlungen damit jedoch noch nicht abgeschlossen: Die Gespräche mit den Vertretern des Bodenpersonals sind am Mittwoch zunächst erfolglos abgebrochen worden. Auch mit der Gewerkschaft des Kabinenpersonals ist noch keine Vereinbarung gefunden worden.

Nach Ansicht von Analysten hat Swiss die Einigung mit den Piloten mit erheblichen Zugeständnissen erkauft. Die finanziellen Auswirkungen seien allerdings noch nicht klar, erklärte Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank. Ob mit der Vereinbarung die Chance auf die Gewährung eines benötigten Betriebskredits von 500 Millionen sfr steigt, bleibt zudem abzuwarten.

Die Einigung mit den Piloten sieht auch den Verzicht der Airline auf die Ausgliederung ihres Regionalfluggeschäfts in den Gesellschaft Swiss Express vor. „An den kommerziellen Zielen der Regionalflotte, der höheren Produktivität sowie der Kostenstruktur wird allerdings vollumfänglich festgehalten,“ erklärte Swiss. Swiss wollte mit der Gründung von Swiss Express die Kosten im Europageschäft um 20 Prozent senken.

Die Swiss-Aktien fielen bis gegen 16.00 Uhr um gut fünf Prozent auf 7,50 sfr nachdem sie sich zunächst weitgehend stabil gehalten hatte. Die Aktie ist äusserst illiquide und deswegen generell sehr volatil.

Swiss befindet sich auf der Suche nach einem Partner und Analysten rechnen damit, dass die Gesellschaft demnächst eine Kooperation eingehen wird.

Swiss ist mit Milliarden-Hilfen von Staat und Banken aus der im Oktober 2001 zusammengebrochenen Swissair und der Regionalfluggesellschaft Crossair entstanden.

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