Schlecker-Pleite
Die Zeit der Leichenfledderer

Das Aus der Drogeriekette Schlecker hat ein Loch im Markt hinterlassen, das gefüllt werden will. Längst hat die Konkurrenz sich dafür in Stellung gebracht. Aber nicht nur andere Drogeristen jagen nach Schlecker-Kunden.
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DüsseldorfEs war am 27. Juni, drei Uhr nachmittags. An jenem Mittwoch schlossen die letzten Schlecker-Läden für immer ihre Türen. Mit dem Aus der Drogeriekette, die über Jahrzehnte die Nummer eins der Republik war, endete ein Stück deutscher Wirtschaftsgeschichte.

Auf den Tag drei Monate ist das nun her. Längst hat die Konkurrenz begonnen, sich für die Neuordnung des Drogeriemarkts in Stellung zu bringen. Es werden Preise gesenkt, Sortimente erweitert, Werbeaktionen veranlasst. Schlecker war, obwohl die Einnahmen schon vor Jahren anfingen zu bröckeln, bis zum Schluss ein wichtiger Spieler im Markt. Laut Verbrauchs- und Medienanalyse kauften 2011 bundesweit gut 41 Millionen Menschen in den rund 8.000 Läden (inklusive "Ihr Platz") ein. Der Umsatz, den es neu zu verteilen gilt, lag bei vier Milliarden Euro in Deutschland.

Denn auch die fünf Millionen Schnäppchenjäger, die beim Ausverkauf von Schlecker mit Einkaufswagen vollgestapelt mit Shampoo, Taschentüchern und Klopapier, aus den Läden kamen, dürften ihre Vorräte mittlerweile verbraucht haben. Sie müssen jetzt woanders einkaufen.

"Die Pleite von Schlecker verändert den Markt für Drogerieartikel grundlegend", sagt Robert Kecskes von der Gesellschaft für Konsumforschung, kurz GfK. "Es gibt im deutschen Einzelhandel keinen Marktaustritt vergleichbarer Größe und Bedeutung."

Die GfK rechnet damit, dass sich andere Drogerieketten - allen voran dm und Rossmann, aber auch Müller aus Ulm und Budnikowsky aus Hamburg - 33 Prozent der Schlecker-Umsätze sichern.

"Den Drogeriemärkten wird die größte Kompetenz zugesprochen", erklärt Kecskes. "Die ehemaligen Schlecker-Kunden schauen aber vor allem auf günstige Preise." Rossmann hat daher unter den Drogisten die besten Chancen. Die Niedersachsen sind bekannt für Rabattaktionen - im Gegensatz zu Branchenprimus dm, der auf dauerhaft niedrige Preise setzt.

Beim Preis ganz vorne sind aber auch Discounter wie Aldi, Lidl, Netto und Co. Sie reagierten auf die Schließung der letzten Schlecker-Läden zunächst mit Preissenkungen für eine Reihe von Drogerieartikeln. Zudem feilen die Discounter an ihren Sortimenten.

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