Schweizer Bahnen beteiligen sich nicht am Wettbewerb im Nahverkehr – Gotthardstrecke soll Weltkulturerbe werden
SBB besinnt sich auf ihre Stärken

Die Schweizer Bundesbahnen (SBB) besinnen sich auf ihre Rolle als Nischenanbieter und legen alle Pläne, ein Konkurrent für die Deutsche Bahn und andere im Nahverkehr zu werden, auf Eis.

BERN. „Für den Einstieg in fremde Regionen fehlt uns der ausreichende Cash-Flow, denn es müssen in aller Regel neue, moderne Fahrzeuge angeschafft werden“, sagte SBB-Chef Benedikt Weibel dem Handelsblatt. Ursprünglich hatten sich die Schweizer etwa in London, aber auch in Baden-Württemberg bei Streckenausschreibungen im Nahverkehr beworben. In Deutschland wollten sie die Strecke zwischen Offenburg und Konstanz betreiben, kamen aber nicht zum Zug.

Die SBB hat das vergangene Jahr mit einem Konzerngewinn von 42,6 Mill. Schweizer Franken (28 Mill. Euro) abgeschlossen. Das Jahresergebnis aus dem Personenverkehr lag mit 152 Mill. Franken mehr als ein Drittel über dem Resultat desVorjahres. Im Güterverkehr fuhren die Schweizer noch einen Verlust von 2,8 Mill. Franken ein. Allerdings sind in diesen Zahlen erhebliche Leistungen von Bund und Kantonen eingerechnet sowie Geld, das aus der Lastwagen-Maut in der Schweiz an die SBB fließt. Insgesamt summieren sich die Zuschüsse auf knapp zwei Mrd. Franken. Vor diesem Hintergrund sieht Weibel keine Möglichkeit zur Expansion im Nahverkehr.

Seine Selbstbeschränkung verbindet Weibel mit einem Seitenhieb auf die Bahnindustrie: Jedesmal, wenn die SBB neue Wagen anschaffe, verschlechtere sich die Pünktlichkeit. „Es gibt kein neues Rollmaterial, das problemlos läuft“, sagte der Bahnchef und verweist auf die Krise, in der die Hersteller stecken. Er beklagte, dass der Verkehrstechnikkonzern Bombardier sein Schweizer Waggonbauwerk schließt und damit die eigenständige Produktion von Schienenfahrzeugen für die Schweiz beendet.

Die Besinnung der SBB aufs Heimatland gilt allerdings nicht für den Güter- und den Personenfernverkehr. Hier setzen die Eidgenossen auf gezielte Expansion. Swiss Cargo bedient die Nord-Süd-Achse von Köln nach Oberitalien. Jeder dritte Güterzug, der rund um die Uhr im Stundentakt von Mannheim nach Basel unterwegs ist, wird bereits von einer SBB-Lok gezogen. Im Gegenzug sind auf dem Gotthard und der Lötschberg-Simplon-Route in der Schweiz Loks der Railion AG ein alltäglicher Anblick: 250 bis 350 Güterzüge fährt die DB-Tochter pro Woche durch die Alpen. Laut Weibel hat die SBB auf ihrer Gotthard-Strecke nur noch einen Marktanteil von 55 Prozent. Zum Ausgleich will sie auf der Nord-Süd-Strecke Marktführer werden. „Unser nationaler Vorteil ist doch, dass uns Sprache und Kultur in Deutschland wie in Italien nahe sind“, sagt Weibel.

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