Schweizer Einzelhandel
Aldi lacht, Migros schnauft und Ferrero leidet

Die Milchschnitte: Außen luftig-dünner Teig, innen honigsüße Creme. Fünfmal 28 Gramm davon, zusammengeklebt zu einem kleinen Paket, kosten in Deutschland 1,10 Euro. In der Schweiz umgerechnet 1,80 Euro. Oder nehmen wir Philadelphia-Streichkäse: Die 200 Gramm Packung ist für Kunden des größten Schweizer Einzelhändlers Migros nur dann für 1,10 Euro zu haben, wenn sie sich die Mühe machen, die Migros-Filiale im grenznahen deutschen Lörrach aufzusuchen. Wenn die Eidgenossen dagegen lieber bei der Migros um die Ecke kaufen wollen, zahlen sie knapp drei Euro.

ZÜRICH. Der Preisunterschied schmerzt nicht nur die Kunden, sondern neuerdings auch die Einzelhändler in der Schweiz, seitdem mit Aldi vor rund zwei Monaten ein neuer, ernst zu nehmender Konkurrent in den bisher abgeschotteten Schweizer Markt eingedrungen ist. Dort gibt es vieles von dem preiswerter zu kaufen, was in der Schweiz bisher nur teuer zu haben ist. Um zu verhindern, dass Aldi allzu heftig an jenen knapp 80 Prozent Marktanteil knabbert, die die drei eidgenössischen Platzhirsche unter den Einzelhändlern – Migros, Coop und Denner – erzielen, ziehen die Schweizer Einzelhändler in eine Abwehrschlacht. Womit wir wieder bei der Milchschnitte und dem Philadelphia-Käse wären.

Migros bezieht beide Produkte über die Schweizer Vertriebsorganisationen der Hersteller, die in Kenntnis der Preise dort saftige Aufschläge verlangen. „Wir zahlen bei unserem Schweizer Lieferanten mehr für die Milchschnitte, als Kunden in Deutschland auf den Tisch legen müssen, wenn sie die in einer unserer Märkte dort kaufen“, sagt Migros-Sprecher Urs Peter Naef. Weil aber auch Migros wegen Aldi unter Druck steht, hat das Unternehmen ganz unschweizerisch einen Streit vom Zaun gebrochen: Über die Filiale in Lörrach hat Migros so viele Schnitten bestellt, wie sie für die ganze Schweiz braucht. Anschließend schaffte sie die Cremescheiben über die Grenze und etikettierte sie so um, dass sie Schweizer Anforderungen entsprachen: „Sahne“ heißt im Nachbarland zum Beispiel Rahm und darf nur so auf der Verpackung benannt werden. Die Aktion lohnte sich für den Kunden, der in der Schweiz immerhin umgerechnet 13 Cent weniger für seine Cremeschnitte bezahlen musste.

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