Sorge um Bombardier-Jobs
Spitzentreffen mit Gabriel endet ohne konkretes Ergebnis

Rund 2500 Jobs sind bei Bombardier in Deutschland gefährdet. Nach einem Krisentreffen des Eisenbahnkonzerns mit Wirtschaftsminister Gabriel müssen die Mitarbeiter weiter bangen – ein konkretes Ergebnis gab es nicht.
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BerlinDas Spitzengespräch des Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel und dem Bombardier-Management ist wie erwartet ohne konkretes Ergebnis beendet worden. Gabriel sagte nach dem Treffen im Bundeswirtschaftsministerium am Montagabend lediglich „Ostdeutschland braucht industrielle Arbeitsplätze“. Die Politik werde alles ihr Mögliche tun, um die Arbeitsplätze zu sichern. „Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“

Damit deutete Gabriel indirekt an, dass die von Konzernchef Laurent Troger geplanten Einschnitte gravierend sein werden.

Nach unbestätigten Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen sollen weitere 2500 Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen werden, nachdem im vergangenen Jahr schon 1430 Jobs wegfielen. Bombardier Transportation beschäftigt an seinen sieben Standorten in Deutschland und der Unternehmenszentrale in Berlin 8500 Mitarbeiter.

Noch bevor Troger Gabriel Rede und Antwort stehen musste, versuchte der kanadische Lokomotivbauer am Montag die Wogen zu glätten. Deutschland werde auch in Zukunft nicht nur ein „entscheidender Standort für die Entwicklung, sondern auch für die Produktion und Wartung von Bahntechnik bleiben“, versicherte das Unternehmen im Vorfeld des Spitzentreffens in Berlin. Dasselbe Statement gab es am Abend nach der Treffen mit dem Minister, an dem auch Vertreter der Länder Brandenburg und Sachsen sowie der IG Metall teilnahmen.

Informationen des Handelsblatts, wonach der Rückzug aus der Produktion von Schienenfahrzeugen geprüft werde, hatten Politiker wie Belegschaftsvertreter im Dezember aufgeschreckt. Gabriel lud daraufhin den Bombardier-Vorstand zum Gespräch am Montag ein. Bombardier warb anschließend um Verständnis, „dass wir weitere Gespräche mit den Sozialpartnern führen müssen, bevor wir detailliertere Aussagen treffen können.“

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte am Abend, es sei positiv, dass Bombardier jetzt bereit sei, mit den Betriebsräten über die Zukunft der Standorte zu sprechen. Das Problem: Bombardier hüllte sich bislang weitgehend in Schweigen, wenn es um die Sanierungspläne ging. Nur soviel ist bekannt: Nach 1430 Stellen, die bereits im Laufe des Jahres 2016 gestrichen worden waren, kündigte das Unternehmen im Herbst den Wegfall weiterer 5000 Jobs im Bereich Transportation an, ohne Details zu nennen.

Vor allem die Werke in Hennigsdorf bei Berlin, Bautzen und Görlitz könnten von dem Sanierungsplan betroffen sein. Allein dort arbeiten um die 5500 Mitarbeiter. Die IG Metall warnte, dass „notwendige Veränderungen nicht ohne oder gegen, sondern nur mit den Belegschaften zu erreichen“ seien. „Deshalb fordern wir weiterhin den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen“, sagte Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen.

Gewerkschaft und Betriebsrat hätten die „existenziellen Sorgen und Nöte der Belegschaften“ deutlich gemacht. „Wir nehmen gleichzeitig die wirtschaftliche Situation des Unternehmens und den Druck auf die Wettbewerbsfähigkeit zur Kenntnis“, unterstrich Höbel.

Bombardier Transportation (BT) ist eine Sparte des kanadischen Konzerns, der rund 18 Milliarden Dollar Umsatz macht und auch Flugzeuge baut. Eine Flugzeugneuentwicklung hatte das Unternehmen an den Rand des Ruins gebracht und zum Einstieg des Staates geführt. Sanierungsbedarf wird gleichwohl auch bei der Transportsparte gesehen, die in besten Zeiten fast 40.000 Menschen beschäftigte. In Deutschland ist die Zahl der Mitarbeiter von knapp 10.000 schon auf 8500 geschrumpft.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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  • Ein Gabriel ist nun mal kein Trump. Der sorgt schon vor dem Amtsantritt mit einem Tweet dafür, dass Arbeitsplätze nicht abwandern.

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