Spaniens Platzhirsch gerät schwer unter Druck
Iberia plant Gründung einer Billigfluglinie

Die größte spanische Fluggesellschaft Iberia reagiert auf den anhaltenden Billigflug-Boom in Europa und steht kurz vor der Gründung eines eigenen Billig-Ablegers. Spanischen Zeitungsberichten zufolge soll die Fluglinie Mediterránea heißen und Anfang nächsten Jahres mit einer Basis in der Metropole Barcelona starten.

scm/ebe MADRID.Iberia dementierte die Berichte nicht, wies aber darauf hin, dass eine Entscheidung erst im September fallen werde: Dann will Unternehmenschef Ángel Mullor der spanischen Öffentlichkeit das Spar- und Strategieprogramm namens „Plan Director 2006-2008“ vorstellen. Für die 26 000 Mitarbeiter der Fluggesellschaft verheißt das nichts Gutes: Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Iberia seine Kosten im Europaverkehr massiv senken muss, um gegen die produktiver aufgestellte Konkurrenz auf Dauer anfliegen zu können.

Auch beim Wettbewerber Lufthansa ist seit Monaten eine Arbeitsgruppe namens „Zukunft Kont“ am Werk, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Prozesse im Flugbetrieb zu vereinfachen und die Stückkosten im Europaverkehr um 20 Prozent zu senken. So wie Lufthansa im deutschen Heimatmarkt zusehends unter Druck gerät, bekommt auch Iberia das aggressive Wachstum europäischer Billigflieger immer deutlicher zu spüren.

Zu einem der Hauptgegner in Spanien avanciert Air Berlin: Die zweitgrößte deutsche Fluglinie ist neben ihrem großen Drehkreuz Mallorca inzwischen auch stark ins Festland vorgedrungen und fliegt bereits mehr als ein Dutzend spanische Städte an. Daneben setzen Europas Marktführer Easyjet und Ryanair ihre Expansion Richtung Mittelmeer ungebremst fort: Der irische Preisbrecher Ryanair will im kommenden Jahr bereits 2,5 Mill. Passagiere im spanischen Markt transportieren. Mit dem Lufthansa-Partner Spanair, Air Europa sowie den Billig-Startups Vueling und Air Madrid kämpfen darüber hinaus vier spanische Anbieter um Kundschaft im Süden Europas. Als Folge dieses Ansturms purzeln die Ticketpreise: Inzwischen bietet Iberia einfache Inlandsflüge schon ab 15 Euro und Strecken nach Deutschland ab 44 Euro an – allerdings ohne die notwendigen Kostenstrukturen dafür zu besitzen. Der Verfall der Durchschnittserlöse drückt bereits auf das Ergebnis: Der Nettoverlust vergrößerte sich im traditionell schwachen ersten Quartal von 10,1 Mill. Euro auf 16 Mill. Euro, obwohl Iberia ein leichtes Plus bei den Umsatzerlösen (1,18 Mrd. Euro) verzeichnete.

Um Kosten zu senken, hat Iberia im vergangenen Jahr unter anderem die kostenlose Verpflegung an Bord der Jets gestrichen. Früheren Medienberichten zufolge soll der „Plan Director“ weitere Einsparungen von 600 Mill. Euro einbringen.

Der Plan, im Markt der Billig-Airlines aktiv mitzumischen, steht und fällt allerdings mit dem Entgegenkommen der Iberia-Gewerkschaften. CEO Mullor hatte im Juni gesagt, bei der Gründung einer Billigfluggesellschaft bestehe auch die Möglichkeit, diese als direkte Tochter zu führen. Die Strategie ist allerdings umstritten, weil sich Tochterunternehmen gerne an den (höheren) Kostenstrukturen der Konzernmutter orientieren.

Spanische Zeitungen schließen deshalb nicht aus, dass Iberia auch die junge Billig-Linie Vueling übernehmen könnte, die dem Platzhirsch in Barcelona bereits kräftig Konkurrenz macht – und die Preise nach unten zieht.

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