Sparprogramm
Hapag Lloyd rüstet sich für die Flaute

Die Containerschifffahrt leidet noch stärker an der Wirtschaftskrise als bisher erwartet. Die Frachtraten schrumpfen weiterhin zweistellig, ganze Flotten liegen weltweit in den Häfen. Besonders die Reedereien leiden unter der Flaute. Nun muss auch die Traditionsreederei Hapag Lloyd reagieren - und ihr Sparprogramm verschärfen.

HAMBURG. Die Hamburger Traditionsreederei Hapag Lloyd muss noch mehr sparen. Statt der geplanten 600 Mio. Euro sollen nun 2010 insgesamt 900 Mio. Euro weniger ausgegeben werden. Wie ein Betriebsrat dem Handelsblatt bestätigte, werden die Mitarbeiter in Kürze mit dem Vorstand in Verhandlungen treten, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Ein Hapag-Lloyd-Sprecher wollte die Zahlen nicht kommentieren und auch sonst nichts zur Lage des Unternehmens sagen.

Die Lage ist angespannt, so viel steht fest. Das zyklische Geschäft in der Containerschifffahrt ist durch die allgemeine Wirtschaftskrise noch stärker nach unten ausgeschlagen als selbst Pessimisten erwartet hatten. Nach dem Horrorjahr 2008, in dem die Frachtraten um bis zu 90 Prozent einbrachen, sind die aktuellen Branchenzahlen wieder zweistellig im Minus. Ganze Flotten dümpeln vor sich hin. „Keine Reederei der Welt verdient im Moment Geld“, sagt ein Brancheninsider. „Und 2010 wird die Lage nicht besser.“

Für die Hapag-Führung bedeutet dies, den Konzern so zu verschlanken, dass er auch diese größte aller Flauten überstehen kann. Vor einem Jahr bejubelten die Mitarbeiter nach dem Verkauf des Unternehmens an ein Hamburger Konsortium die Sicherheit ihrer Jobs. Heute ist klar: Sicher ist bei Hapag gar nichts mehr. Erst vor wenigen Tagen stimmten die Arbeitnehmer einer Betriebsvereinbarung zu, nach der 120 von 1 100 Arbeitsplätzen in Deutschland bis Ende 2010 abgebaut werden. Zusätzlich verzichten die Mitarbeiter auf diverse Leistungen und fünf Prozent ihrer Bezüge, die Vorstände auf 20 Prozent. Die ganze Mannschaft, so die Botschaft bei Hapag-Lloyd, zieht an einem Tau.

Dennoch sitzen die Zahlen immer noch nicht fest genug. Dass nun noch einmal 300 Mio. Euro mehr eingespart werden sollen, zeigt die Dramatik. Am Mittwoch stimmte die Hamburger Bürgerschaft für ein Rettungskonzept, mit dem die Reederei durch staatliche Bürgschaften von bis zu 1,2 Mrd. Euro gestützt werden soll. Heute wird sich der interministrielle Bürgschaftsausschuss der Bundesregierung mit dem Thema befassen. Entgültig entscheidet Berlin aber erst am 28. September, einen Tag nach der Bundestagswahl. Die Beteiligten erwarten auch hier eine klare Zustimmung.

Intern wird die Situation mit Fassungslosigkeit debattiert. Die Hanseatische Rettungsaktion, bei der sich Hamburger Geschäftsleute und die lokale Politik 2008 dafür einsetzten, dass Hapag-Lloyd nicht an einen Konkurrenten aus Fernost verloren ging, wird für die Beteiligten zum Risiko. Der Unternehmenswert von 4,5 Mrd. Euro, den das Konsortium beim Kauf ansetzte, war höher als der von anderen Bietern. Und kaum waren die Sektgläser geleert, musste schon nachverhandelt werden. Der Verkäufer Tui blieb auf mehr Anteilen sitzen als geplant.

„Jetzt zeigt sich auch, was der strategische Preis des Konsortiums für Folgen hat“, sagt ein Insider. Die Risse in dem Bündnis sind kaum mehr zu überdecken. Klaus-Michael Kühne , der Initiator der Hamburger Lösung, klagte bereits über eine zu geringe Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Sparmaßnahmen. Tui-Chef Michael Frenzel, für den der Verkauf von Hapag-Lloyd ein Befreiungsschlag werden sollte, steht öffentlich in der Kritik. Analysten sprechen davon, dass die Hapag-Gesellschafter, darunter die HSH Nordbank, das Bankhaus M.M. Warburg sowie die Versicherer Signal Iduna und Hanse Merkur, ihre Beteiligung bei Hapag korrekterweise auf Null abschreiben müssten. Die Institute äußern sich hierzu nicht.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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