Spekulationen über Ausstieg der Australier aus der Oneworld-Allianz
British Airways trennt sich von der australischen Qantas

British Airways (BA), die Nummer zwei in der europäischen Luftfahrtindustrie, will sich von ihrer Beteiligung an der größten australischen Fluggesellschaft Qantas Airways trennen. Der Erlös aus dem Verkauf des 18,25-prozentigen Anteils solle dazu dienen, die Schulden von derzeit 5,6 Mrd. Pfund Sterling (8,2 Mrd. Euro) zu verringern, sagte gestern BA-Chef Rod Eddington.

DÜSSELDORF. Der aktuelle Börsenwert der Qantas-Beteiligung beträgt 1,1 Mrd. australische Dollar (rund 763 Mill. Euro). Der Verkauf der strategischen Qantas-Beteiligung kommt für die Branche überraschend. Qantas gehört schließlich der von British Airways angeführten Luftfahrt-Allianz Oneworld an. Außerdem hatten die beiden Fluggesellschaften gerade erst ein bilaterales Dienstleistungsabkommen um fünf Jahre verlängert. Unter Luftfahrt-Experten flammte deshalb die bereits vor kurzem geführte Diskussion über einen Ausstieg der Australier und einen Wechsel in eine der anderen globalen Allianzen neu auf.

„Eine starke Bilanz bringt British Airways in eine robuste Position im künftigen Konsolidierungsprozess der europäischen Luftfahrtindustrie“, begründete Eddington die Trennung von Qantas. Er beließ es jedoch bei dieser Andeutung und äußerte sich nicht über mögliche Akquisitionsziele. Ein Gebot für die unwirtschaftliche Alitalia schloss er aus. Italiens größte Fluggesellschaft steuert gerade auf einen bedrohlichen Finanz-Engpass zu. In der Branche wird nun vermutet, dass die Briten ihre Beteiligung von neun Prozent an an der spanischen Iberia aufstocken oder die nationale irische Fluggesellschaft Aer Lingus übernehmen könnten.

British Airways ist durch die Aggressivität der Billigflieger Ryanair und Easyjet auf dem Heimatmarkt wie auch auf den kontinentaleuropäischen Routen in die Defensive geraten. Zudem müssen die Briten ihre Position gegenüber Europas neu geschaffenem Marktführer Air France-KLM Group verteidigen. British Airways, Qantas, Iberia und Aer Lingus gehören zusammen mit American Airlines und Cathay Pacific Airways der Oneworld an, dem drittgrößten Serviceverbund nach der Star Alliance unter Führung der Deutschen Lufthansa und Skyteam unter Führung der Air France-KLM.

In Australien und Südostasien hat Eddingtons unerwartete Entscheidung Spekulationen über einen Ausstieg der Qantas aus dem Oneworld-Verbund ausgelöst. „Die Tyrannei der großen Entfernung zwischen Australien und dem Vereinigten Königreich schließt eine Konsolidierung, aber keine Kooperation zwischen Qantas und British Airways aus“, versuchte Qantas-Chef Geoff Dixon in einer Pressemitteilung des Unternehmens jegliche Spekulation im Keim zu ersticken.

Luftfahrt-Experten zeigen sich dennoch skeptisch: „Der Schritt der British Airways wirft die Frage nach den Perspektiven der Allianz auf“, sagt Peter Harbison, Chef der Unternehmensberatung Centre for Asia Pacific Aviation (Capa) in Sydney. Gerüchte über einen Seitenwechsel der Qantas waren bereits aufgekommen, als die Australier jüngst mit Air France eine engere Zusammenarbeit (Code sharing) vereinbart hatten. „Ein Wechsel von Qantas in das Skyteam könnte die Rolle der Oneworld als eine der führenden globalen Luftfahrt-Allianzen fatal schwächen und eine Neugruppierung unter den Mitgliedern der großen Allianzen in der globalen Luftfahrtindustrie auslösen“, sagt Harbison.

Erst kürzlich waren zudem Vermutungen aufgekommen, dass Qantas und Singapore Airlines, zwei uralte Erzrivalen in Asien-Pazifik, näher zusammenrücken könnten.

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