Spitzelaffäre
Zeugenaussagen belasten Lufthansa

Im Zuge der Telekom-Affäre ist auch die Lufthansa unter Beschuss geraten. In den Ermittlungsunterlagen der Staatsanwaltschaft finden sich mehrere Hinweise, dass die Lufthansa und die Telekom jeweils geheime Daten ihrer Kunden ausgetauscht haben sollen. Die Fluggesellschaft wehrt sich gegen den Vorwurf, Passagierdaten weitergegeben zu haben.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die im Zuge der Datenschutzaffäre bei der Deutschen Telekom unter Beschuss geratene Lufthansa wehrt sich gegen den Vorwurf, Fluggastdaten weitergegeben zu haben. "Wir haben solche Informationen niemals an die Telekom gegeben. Wir gehen mit unseren Passagierdaten sehr sensibel und vertrauenswürdig um", sagte ein Sprecher der zweitgrößten Fluggesellschaft Europas auf Anfrage.

Hintergrund der Vorwürfe sind die Ermittlungsunterlagen der Staatsanwaltschaft in der Spitzelaffäre der Deutschen Telekom, die dem Handelsblatt vorliegen. Dort finden sich mehrere Hinweise darauf, dass Lufthansa und Telekom jeweils geheime Daten ihrer Kunden ausgetauscht haben sollen.

Unter anderem wird in dem Bericht auf die Aussage des Rechtsanwalts Michael Hoffmann-Becking verwiesen, der den früheren PostChef und Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel sowie den Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke in der Affäre beraten hat. Er hat bei seiner Befragung durch die Behörden zu Protokoll gegeben, dass die Telekom im Jahr 2000 auf dem kleinen Dienstweg Verbindungsdaten an die Lufthansa geliefert habe. Damals habe die Lufthansa nachgeforscht, wer in den eigenen Reihen Interna an die Presse geliefert hat. Hoffmann-Becking hat die Information nach eigenen Angaben von Klaus Trzeschan erhalten, ehemaliger Abteilungsleiter der Telekom-Konzernsicherheit und Schlüsselfigur in der Spitzelaffäre.

Darüber hinaus gibt der damalige Chefjustiziar und heutige Datenschutzvorstand der Deutschen Telekom, Manfred Balz, in einem Schreiben an die Staatsanwaltschaft an, dass er ein Fax gesehen hat, dessen Absender die Konzernsicherheit der Lufthansa war. Es soll Daten über einen Flug des früheren Capital-Journalisten Reinhard Kowalewsky enthalten haben. Kowalewsky hatte Anfang 2005 mit einem Bericht über Konzerninterna die Bespitzelung von Journalisten und Aufsichtsräten bei der Telekom ausgelöst.

Lufthansa bestreitet beide Vorwürfe vehement. De facto ist die Weitergabe von Fluggastdaten an externe Firmen ein klares Vergehen gegen geltendes Datenschutzrecht. Es regelt den Umgang mit solchen personenbezogenen Daten relativ eindeutig. "Eine Weitergabe von Daten etwa von Passagieren an Dritte, die nicht im eigenen Interesse erfolgt, sondern nur dem Interesse dieser Dritten dient, ist im Grunde genommen unzulässig", sagt Jyn Schultze-Melling, Rechtsanwalt der Münchener Kanzlei Noerr Stiefenhofer Lutz.

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