Staatliche Unterstützung
Transatlantischer Protest gegen Airline-Hilfen

Die nationalen Airlines üben Kritik an der Vergabepraxis für Kreditgarantien für Fluggesellschaften. Die besagt, dass Konzerne, die ihren Sitz in einem Land haben, in dem auch Flugzeuge gebaut werden, keine Exportkreditgarantieren nutzen dürfen. Jetzt fürchten die betroffenen Unternehmen Wettbewerbsverzerrung.
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FRANKFURT/PARIS. Die Regierungen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und den USA werden in diesen Tagen Post von ihren nationalen Airlines bekommen. In einem gemeinsamen Brief fordern sie eine Änderung der Vergabepraxis für Kreditgarantien für Fluggesellschaften. "Unser Ziel ist es, dass diese Ungleichbehandlung bei den Gesprächen der OECD am 20. Oktober in Ottawa ein Thema ist", sagte Markus Ott, der Leiter der Abteilung Corporate Finance bei Lufthansa, dem Handelsblatt.

Anlass der transatlantischen Protestallianz: Fluggesellschaften können bei der Finanzierung neuer Flugzeuge grundsätzlich Exportkreditgarantien in Anspruch nehmen, in Deutschland etwa bei der Kreditversicherung Euler Hermes. Wer allerdings seinen Sitz in einem Land hat, in dem auch Flugzeuge gebaut werden, kann dieses nicht tun, da es in diesem Fall keinen Export gibt. In Fachkreisen nennt sich das "Home-Country Rule". Sie gilt für Lufthansa, Air France oder British Airways mit Blick auf den Hersteller Airbus, ebenso aber für US-Anbieter wie Southwest im Fall von Boeing.

In den Augen der betroffenen Airlines ist das eine Wettbewerbsverzerrung, denn immer mächtiger werdende Rivalen wie etwa Emirates können die günstigen Finanzierungen sehr wohl in Anspruch nehmen. Dem Protest der Europäer dagegen haben sich nun die US-Airlines angeschlossen.

"Mit dem Ausbau der staatlichen Exporthilfen wollten die Regierungen ihre Luftfahrtindustrie schützen. Doch sie schaden damit den Service-Anbietern, den Airlines", sagt Marc Verspyck, Finanzchef von Air France. Dabei beschäftige Air France in Frankreich dreimal so viele Mitarbeiter wie Airbus. In ihrem Brief fordern die Airlines unter anderem, das Volumen der Kreditgarantien zu reduzieren. Derzeit wird rund ein Drittel über die staatlichen Agenturen finanziert. Ferner sollen die Preise an das Marktniveau angepasst werden.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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