Statt Baumwolle
Textilbranche experimentiert mit Algen

Schnäppchen, Party, Müll: Die Lebensdauer von Kleidung wird immer kürzer, der Bedarf an Material wächst. Können kompostierbare Stoffe aus Algen, Milch und Brennnesseln die Branche nachhaltiger machen?
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BerlinGrün und glibberig? Fehlanzeige. Das Algenkleid von Leonie Becker ist aus kirschrotem Stoff. „Es riecht auch nicht nach Algen“, sagt die Berliner Studentin lachend. Tatsächlich machen gemahlene Algen auch nur vier Prozent der Faser aus, der Rest ist Zellstoff aus Holz. Doch für ihre Dozentin steht die Alge für die Zukunft der Textilbranche.

„Die Baumwolle kann einfach nicht das Ende sein“, meint Josephine Barbe. Die Wissenschaftlerin an der Technischen Universität Berlin erforscht nachhaltige Textilien und ließ ihre Studenten umweltverträgliche Alltagskleidung nähen. Den Algenstoff wählte Barbe, um Aufmerksamkeit auf alternative Fasern zu lenken. „Alle wollen Baumwolle tragen, aber die ist mittlerweile kaputt und vergiftet uns und die Welt“, sagt sie.

Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt die Modebranche seit Jahren, zugleich schießt der Konsum von Kleidung in die Höhe. Wirtschaftsforscher errechneten laut Greenpeace, dass deutsche Verbraucher ihre neugekauften Kleidungsstücke im Schnitt nur noch halb so lange tragen wie noch vor 15 Jahren. Die weltweite Produktion von Kleidung verdoppelte sich derweil. Immer mehr Stoff wird gebraucht. Doch die Umweltkosten von Polyester auf Erdölbasis und des wasserintensiven und pestizidreichen Baumwollanbaus sind enorm.

Wie Josephine Barbe, die sich des von einem thüringischen Unternehmen entwickelten Algenstoffs Seacell annahm, experimentieren Designer und Hersteller daher mittlerweile mit ungewöhnlicheren Rohstoffen für Garn und Zwirn. Brennnesseln, Milchreste, Bananenfasern, Krabbenschalen und Soja-Abfälle gehören zum Rohmaterial, aus denen Material hergestellt werden kann. Auch die Kompostierbarkeit am Lebensende der Kleidung rückt immer mehr in den Mittelpunkt nach dem Motto: Wenn schon Müll, dann wenigstens für die Biotonne.

Doch in den Läden bleibt das Thema bislang eine Fußnote. Kompostierbare Schuhe und Brennnesselgarn seien zwar innovative Produkte, sagt der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Textil+Mode, Uwe Mazura. „Diese Entwicklungen stehen jedoch erst am Anfang und sind noch nicht für den Massenmarkt ausgereift.“

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Langsamerer Konsum nötig

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