Streitgespräch zum Bahnstreik
„Es ist nicht lustig zu streiken“

Seit zehn Monaten verhandeln Bahn und GDL erfolglos um Tarifverträge. Jetzt streiken die Lokführer fast eine ganze Woche lang. Ein Unternehmer und ein GDL-Funktionär diskutieren über Auftragseinbußen und Arbeitskampf.
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Eine Woche. So lang hat noch nie ein Bahnstreik gedauert. Während die GDL für mehr Geld kämpft, verlieren deutsche Unternehmer hunderte Millionen Euro durch den Zugstillstand. Nun hat das Handelsblatt Vertreter beider Lager zur Diskussion gebeten: Der Unternehmer und Vielbahnfahrer Oliver Jentsch ist Geschäftsführer des Dienstleisters hiba-impulse aus Berlin mit einem Umsatz von knapp 750.000 Euro. Ihm stellt sich Ingo Klett, der seit 1982 Lokführer ist. Heute organisiert er als Vorsitzender der GDL-Ortsgruppe in Frankfurt die lokalen Streiks. Er ist außerdem stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der DB-Regio in Frankfurt.

Herr Jentsch, die letzte Verhandlungsrunde zwischen Bahn und GDL ist wieder einmal in die Hose gegangen. Wie finden Sie es, dass nun wieder gestreikt wird – und das gleich eine Woche?
Jentsch: Grundsätzlich ist es ja in Ordnung, wenn Mitarbeiter Streiks nutzen, um für höhere Löhne zu kämpfen, um das Betriebsklima zu ändern oder Überstunden abzubauen. Ich sehe das aber auch kritisch. Das ist jetzt schon der achte Streik von Seiten der GDL. Der Streit wird auf dem Rücken von Millionen Geschäftsreisenden und Pendlern ausgetragen. Ich bin stark auf die Bahn angewiesen, fahre monatlich im Schnitt 4.000 Kilometer durch Deutschland. Und wenn man sieht, dass sich die Dinge nicht bewegen, ist es einfach nur noch anstrengend.

Nicht zuletzt, weil sich das auch auf Ihr Geschäft auswirkt.
Jentsch: Wir haben manches reparieren können, aber nicht alles. Auch die Auftraggeber haben Verständnis, wenn ein Zug nicht fährt. Aber klar entgehen uns auch Einnahmen, die fest eingeplant waren. Wenn unsere Trainer für die Weiter- und Fortbildungsseminare etwa nicht anreisen können. Im letzten Jahr hatten wir knapp 750.000 Euro Umsatz. In den schwierigsten Zeiten standen sieben bis acht Aufträge auf dem Spiel. Wenn dann 10.000 Euro pro Auftrag nicht kommen, ist das für uns schon viel.

In anderen Worten: Es reicht jetzt mit den Streiks. Sehen Sie das auch so, Herr Klett?
Klett: Das sehe ich genauso. Nun ist die Bahn aber neben der GDL auch in Verhandlungen mit der anderen Eisenbahner-Gewerkschaft EVG. Auch die haben das Angebot der Bahn ausgeschlagen, trotzdem spricht keiner über sie. Sie als Bahnkunde werden natürlich nicht merken, wenn die EVG in einem Werk streikt. Als Lokführer habe ich aber nun mal nur meine 2,5 Quadratmeter Führerstand und ich weiß auch, dass ich im Regio hinter mir 800 Passagiere habe, die genervt sind, wenn ich nicht fahre. Aber was soll ich denn machen?

Viele meinen, die Arbeitsbedingungen sind nur vorgehalten. Eigentlich gehe es vielmehr um die Macht der Gewerkschaften EVG und GDL im Unternehmen. Ist das in Ordnung?
Klett: Das stimmt so nicht. Wir streiten nicht mit der EVG um Macht. Wir wollen einfach nur die bei uns organisierten Mitarbeiter auch vertreten dürfen. Vom Zugpersonal sind bei uns etwa genauso viele organisiert wie in der EVG. Diese Menschen haben sich die GDL aus freien Stücken ausgesucht. Dass es hier darum geht, Mitglieder abzuwerben, um mehr Einfluss im Unternehmen zu gewinnen, ist doch Quatsch.
Jentsch: Für mich wirkt das schon wie ein Wettbewerb zwischen Ihren beiden Gewerkschaften. Als Arbeitnehmer der Bahn gehe ich natürlich zu denen, die einen höheren Abschluss und die besseren Bedingungen verhandeln.


Kommentare zu " Streitgespräch zum Bahnstreik: „Es ist nicht lustig zu streiken“"

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  • Ich gehe mal davon aus, daß die Bahn spätestens seit der letzten Terroraktion mit Geiselnahme eines ganzen Landes und Milliardenschäden darüber nachdenkt, fahrerlose Züge einzuführen. Das würde mich besonders für die freuen, die sich da zum Streik aufhetzen lassen und dann überflüssig werden!

  • Wir wissen genau um was es geht, der Staatskonzern DB wartet auf das neue Tarifeinheitsgesetz von seinem Besitzer dem Staat, im Wissen selbst wenn es käme, müsste dennoch das BverfG über Jahre erst noch prüfen ob es überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar ist! Nach diesen vielen Jahren gäbe es dann sowieso schon autonome Systeme die den Zugführern das Streiken vermiesen könnten. Nur deshalb wird gar nicht mehr richtig verhandelt mit der GDL, es soll nur Zeit geschunden werden. Die Gewerkschaft GDL hat das Recht auf ihrer Seite, wenn sie sagt Grundrechte sind erstens nicht verhandelbar und gehören zweitens nicht in ein Schlichtungsverfahren. Das Schlichtungsverfahren über Grundrechte, was hier so lauthals und dummdreist verlangt wird, hat auch nur den Zweck Zeit zu gewinnen und der Vorstand der Bahn handelt nicht einfach aus dem Bauch heraus, er setzt nur das um was aus der übrigen Wirtschaft und von der Politik erwartet wird, - egal und wenn es Milliarden von Euro kostet, es ist ja nur Geld des Steuerzahlers. Erst wenn der Streik richtig teuer für die Wirtschaft wird, also wenn er unbefristet geführt wird, könnten die Schmerzen zu groß werden und sich etwas ändern.
    Ich denke hier spielen wieder einmal bösartige Eliten ein kostspieliges Vabanquespiel auf Kosten der Bürger und um Arbeitnehmerrechte zu beschneiden!
    Die Hoffnung, dass die betroffenen Bahnfahrer und Steuerzahler Druck auf ihre Abgeordneten ausüben können wir vergessen, der treudoofe Michel meckert zwar viel, aber ansonsten passiert gar nichts. Von den vielen Bürgern die nur die Blödzeitung nach labern können mal ganz abgesehen, die lassen sowieso für sich denken!

  • Seit nunmehr 15 Jahren werden die deutschen Arbeitnehmer durch Reallohnstagnation, Leih- und Zeitarbeit, Agendapolitik drangsaliert und ausgenommen. Es wird Zeit, dass in diesem Land wieder starke Gewerkschaften für Arbeitnehmerrechte kämpfen und diese auch durchsetzen.
    Lange Jahre wurden die Gewerkschaften von Politik und Arbeitgebern erpresst. Wie oft wurde mit Arbeitsplatzverlagerungen gedroht, wie oft wurden Anzeigen der Initative Neue Soziale Marktwirtschaft geschaltet und deren Lobbyisten/innen in den Medien auf breiter Front Platz für ihre Meinungsmache geboten. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, dass die GDL hart bleibt, auch im Interesse der deustchen Arbeitnehmer, im Interesse der Demokratie und des Streikrechts!

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