Subkontinent entwickelt sich zu neuem Wachstumsmarkt
Tui expandiert im boomenden Touristikmarkt Indien

Wie die gesamte internationale Tourismusbranche blickt auch die deutsche Tui AG mit wachsendem Interesse nach Indien. Das hannoversche Unternehmen hat gestern eine Tochter gegründet, die ihr den Zugang zum schnell wachsenden indischen Markt erleichtern soll.

NEU DELHI. Die Deutschen halten 50 Prozent an dem Joint Venture, der Rest liegt beim lokalen Reiseanbieter Le Passage to India Ltd. „Indien ist ein wichtiger Zukunftsmarkt für uns, in dem wir eine führende Rolle spielen wollen“, sagte Tui-Chef Michael Frenzel gestern nach der Vertragsunterzeichnung in Neu Delhi. Hohes Wirtschaftswachstum führe zu einer aufstrebenden Mittelschicht, die mehr Geld für Reisen ausgebe.

Angesichts stagnierender europäischer Märkte orientiert sich der Tourismuskonzern ohnehin verstärkt nach Asien. „Die Wachstumsdynamik verlagert sich“, unterstrich Frenzel. Vor zwei Jahren hatte Tui ein Joint Venture mit dem staatlichen chinesischen Reiseveranstalter CTS geschlossen, im Vorjahr kam eine russische Tochter hinzu. „China, Russland und Indien entwickeln sich schnell zu Massenmärkten“, erwartet der Vorstandschef. Die neue Tochter soll Indern zunächst Pauschalreisen ins Ausland verkaufen und in den florierenden Binnentourismus einsteigen. 170 Millionen Inder reisen jährlich in ihrem eigenen Land, mit stark steigender Tendenz.

Ein Indiz für die steigende Attraktivität Indiens ist, dass sich das World Travel & Tourism Council (WTTC) von Freitag an zu seiner Jahrestagung in Delhi trifft. Der Fachverband erwartet, dass Indiens Reisebranche im kommenden Jahrzehnt mit durchschnittlich 8,8 Prozent pro Jahr wächst. Dafür sorgt außer der wachsenden Reiselust der Einheimischen ein starker Zustrom ausländischer Touristen.

Zudem lockt die boomende Wirtschaft immer mehr Geschäftsreisende an. Im Vorjahr gaben Reisende aus anderen Ländern 4,8 Mrd. Dollar in Indien aus und ihre Zahl stieg um 24 Prozent auf 3,4 Millionen. Das ist jedoch nur halb so viel wie die Zahl der Inder, die ins Ausland reisten. Der winzige Stadtstaat Singapur lockt mehr als acht Millionen Touristen im Jahr an. „Dabei hat Indien im Grunde mehr zu bieten als die meisten anderen Reiseziele Asiens“, meint John Watson, Chef des auf Fernost spezialisierten Anbieters Diethelm Travel. Die Palette reicht von Stränden in Goa oder Kerala über eine Fülle von Kulturdenkmälern von Weltrang bis zu Bergsteigen im Himalaja.

Wie in anderen Branchen setzt die miserable Infrastruktur dem Wachstum Grenzen und verhindert, dass die steigende Nachfrage voll bedient werden kann. „Das ist ein Riesenproblem“, gibt Arjun Sharma zu, Chef des Tui-Partners Le Passage, „es fehlt an Hotels und Flugkapazitäten.“ Dies führt zu hohen Preisen und oft auf Monate ausgebuchten Hotels und Flügen. Allerdings bessert sich die Lage, vor allem im Flugsektor. Zuletzt haben zudem Konzerne wie Accor Investitionen in Hotels bekannt gegeben.

WTTC-Präsident Jean-Claude Baumgarten geht die Liberalisierung nicht schnell genug. „Die Maßnahmen reichen nicht“, kritisiert er. Die Regierung müsse die lange geplante Privatisierung der Flughäfen umsetzen. Unter anderem bewerben sich Fraport, Hochtief und der Münchener Flughafen um einen Zuschlag bei der Privatisierung der Flughäfen Delhi und Bombay.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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