Tankstellenbetreiber
Orlen verlässt Deutschland

Der polnische Mineralölkonzern PKN Orlen zieht sich aus dem deutschen Markt zurück. Er bereitet einen Verkauf der Orlen Deutschland AG vor, indem er das defizitäre Tankstellengeschäft einer massiven Schlankheitskur unterzieht. Dafür hat er Rückstellungen von 35 Mill. Euro gebildet. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen von PKN Orlen.

HAMBURG. Für Teile des Tankstellennetzes von PKN Orlen interessieren sich bereits seit längerem die Konkurrenten Total Deutschland sowie der russische Energieriese Lukoil, heißt es in Branchenkreisen. Total-Deutschland-Chef Thierry Pflimlin hatte erst am Wochenende betont, dass er das Tankstellengeschäft in Deutschland durch Zukäufe ausbauen will. Namen möglicher Akquisitionsziele erwähnte er aber nicht. Total verfügt in Deutschland über 1 015 Stationen.

Auch Lukoil wird reges Interesse an der PKN-Tochter nachgesagt. Der russische Energiekonzern will schon seit einiger Zeit in Deutschland Fuß fassen, da er hier zu Lande über kein eigenes Tankstellennetz verfügt. Konkurrenten wie Shell, Esso und Aral kommen schon aus kartellrechtlichen Gründen nicht als Käufer in Frage. Sprecher von Total und Lukoil lehnten einen Kommentar ab.

PKN bestätigt auf Anfrage, dass das Netz von Orlen Deutschland auf dem Prüfstand steht. „Wir schließen einen Verkauf des deutschen Geschäfts nicht aus, wenn wir einen Investor finden, der uns einen guten Preis zahlt“, sagt ein PKN-Sprecher. Ob es bereits Gespräche mit möglichen Interessenten gibt, ließ er hingegen offen.

Damit würde der polnische Mineralölkonzern PKN bereits nach zwei Jahren wieder Deutschland den Rücken kehren. Der Mineralölmulti hatte erst im Frühjahr 2003 von BP und Aral rund 500 Tankstellen übernommen. Damit erfüllten die beiden Mineralölmultis Fusionsauflagen des Bonner Kartellamts.

Branchenexperten sehen zudem auch Mineralölhändler sowie Finanzinvestoren als mögliche Käufer. „Ich kann mir vorstellen, dass sich PKN von Orlen Deutschland trennt, wenn der Preis stimmt und Investoren der Gesellschaft einen günstigen Rohöl- und Produktbezug sichern“, sagt Heino Elfert, Herausgeber des Energieinformationsdienst (EID). Namen nannte er nicht.

Um Orlen für einen Verkauf attraktiv zu machen, schaut sich die Firma vor allem unprofitable Tankstellen an. Im Gespräch sind 60 der rund 480 Stationen, heißt es in Firmenkreisen. Diese befänden sich vor allem in Norddeutschland. „Es kann sein, das einige Stationen stillgelegt werden“, sagte eine Orlen-Sprecherin.

Dass sich PKN von seiner deutschen Tochter trennen will, liegt vor allem am verschärften Wettbewerb auf dem deutschen Tankstellenmarkt. So sind angesichts rückläufiger Absatzmengen die Ertragsmargen massiv unter Druck geraten. So sank die Bruttomarge beim Verkauf von Kraftstoff auf 6,06 Cent je Liter. Sie liegt damit in Deutschland am niedrigsten im Vergleich zu Europa. Auch BP senkt deshalb massiv die Kosten. Der Konzern trennt sich in Deutschland von 500 seiner 6 300 Mitarbeiter.

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