Tarifvertrag
Air Berlin einigt sich mit Gewerkschaften

Air Berlin hat ihren jahrelangen Widerstand gegen Gewerkschaften im Unternehmen aufgegeben. Die erstmals geschlossenen Vergütungs- und Manteltarifverträge mit VC Cockpit und Verdi sollen jedoch nicht zu höheren Kosten führen. Vor allem, da die Piloten mit den derzeitigen Bedingungen offensichtlich durchaus zufrieden sind.

HB FRANKFURT. Das Unternehmen schloss am Dienstag erstmals seit Bestehen Tarifverträge für gut 800 Piloten und 1440 Flugbegleiter ab. Zudem ist das Unternehmen bereit, einen Betriebsrat zuzulassen. Allerdings ließ sich Air Berlin das Zugeständnis mit dem Verzicht auf Gehaltserhöhungen bis Ende 2008 versüßen: Die Vereinigung Cockpit für die Piloten und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi akzeptierten die Nullrunde im Gegenzug für den seit Jahren geforderten Zugang zu Air Berlin. „Es sind bis Ende 2008 keine Tariferhöhungen geplant“, sagte ein Unternehmenssprecher. Die rund 2000 Beschäftigten am Boden und in der Verwaltung bleiben allerdings bisher von Tarifverträgen ausgenommen.

Den Sinneswandel führt Air Berlin auf den Erfolg des Unternehmens zurück. „Das ist dem Wachstum geschuldet. Wir waren einmal ein mittelständisches Unternehmen. Jetzt werden jetzt ein Konzern“, sagte der Sprecher. Im Jahr hatte das Unternehmen die Fluggesellschaft dba, im Frühjahr den Konkurrenten LTU übernommen. Bei beiden sind die Gewerkschaften vertreten.

Vor dem Hintergrund des Konzentrationsprozesses in der deutschen Luftfahrt sei die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit erkannt worden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. „Wir haben jetzt Planungssicherheit bei den Personalkosten“, sagte der Air-Berlin-Sprecher. Es sei nicht mehr möglich, Gehaltsfragen individuell mit Beschäftigten zu besprechen.

Air Berlin-Chef Joachim Hunold hat sich seit Jahren als Kritiker von Gewerkschaften und Betriebsräten hervorgetan. Diese seien überflüssig, Gewerkschafter titulierte er mitunter als „Betonköpfe“. Seine Tür stehe für jeden Beschäftigten stets offen, war sein Credo. Die Vereinigung Cockpit wurde bisweilen als Organisation gebrandmarkt, die sich vor allem am Marktführer Lufthansa orientiere, wo sie besonders stark vertreten ist. Vor dem Börsengang gründete er eine britische Aktiengesellschaft, um keine Arbeitnehmer in den Aufsichtsrat berufen zu müssen. Eine interne Umfrage bei Air Berlin hatte allerdings kürzlich ein Interesse der Belegschaft an einem Betriebsrat ergeben.

Cockpit hatte mit Warnstreiks bei dba und LTU am Montag noch einmal die Muskeln spielen lassen. Für die Tarifkonflikte bei den Töchtern habe der Abschluss bei Air Berlin keine unmittelbaren Folgen. „Aber es wird die Atmosphäre sicherlich nicht verschlechtern“, sagte der Air-Berlin-Sprecher. Cockpit betonte, bei LTU gebe es vorerst keinen Pilotenstreik. Für Donnerstag und Freitag sind neue Gespräche angesetzt.

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