Telekom-Spitzelaffäre
„Ich will wissen, wer die Täter waren“

Das bespitzelte Telekom-Aufsichtsratsmitglied Wilhelm Wegner hat die schleppende Aufklärung der Affäre moniert. Damit übt eines der beiden Hauptopfer massive Kritik an den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. "Es sind jetzt 16 Monate ins Land gegangen, und ich sehe bis jetzt nur Stillstand in der rechtlichen Aufarbeitung", sagt Wegner.

DÜSSELDORF. Seit 16 Monaten wartet Wilhelm Wegner darauf, dass in der Telekom-Spitzelaffäre Ross und Reiter genannt werden. Langsam reißt ihm der Geduldsfaden. "Ich will endlich wissen, wer die Täter waren und was sie dazu veranlasst hat, mich auszuspionieren", sagt der frühere Konzernbetriebsratschef im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er fordert, dass die Staatsanwaltschaft zügig Anklage gegen die Schuldigen erhebt.

Wegner ist einer der Betroffenen: Als früheres Mitglied des Aufsichtsrats verdächtigten ihn Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Telekom, Unternehmensinterna an die Presse weiterzuleiten. Sie haben deshalb in den Jahren 2005 und 2006 überwacht, mit wem er telefoniert hat.

Wo das Verfahren derzeit steht, dazu äußert sich die Bonner Staatsanwaltschaft offiziell nicht. In Behördenkreisen heißt es jedoch, 16 Monate Ermittlungsarbeit seien nicht ungewöhnlich für ein Wirtschaftsdelikt. Neben Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel sind zwei weitere Mitarbeiter mit der Telekom-Affäre befasst. Sie sind jedoch darüber hinaus weiter für ihre eigenen Dezernate verantwortlich und bearbeiten deshalb mehrere Fälle gleichzeitig.

Wegner beteuert bis heute seine Unschuld. Beweise gegen ihn gibt es bislang nicht. "Wenn sie auch nur das kleinste Schwarze unter meinem kleinen Fingernagel gefunden hätten, hätten sie mir den Hals umgedreht", ist er sich sicher. "Es gab aber nichts zu finden, weil die Vorwürfe gegen mich völlig haltlos waren." Wegner war von 1996 bis Ende 2008 im Telekom-Aufsichtsrat sowie im vierköpfigen Präsidialausschuss des Kontrollgremiums und dadurch mit zahlreichen Interna vertraut. "Wenn ich gewollt hätte in all den Jahren, hätte ich der Presse jede Woche eine Schlagzeile liefern können. Aber ich habe es nie getan", sagt er.

Der langjährige Telekom-Mitarbeiter ist enttäuscht darüber, wie der Konzern im Rahmen der Affäre mit ihm umgegangen ist. So habe ihn nie jemand gefragt, ob die Vorwürfe gegen ihn stimmten. Die Telekom begründet das damit, dass sie bei ihrer internen Aufklärung nur den illegalen Datenabgleich untersucht habe und nicht untersucht hat, wer Interna verraten haben könnte. "Wir haben Wegner als Opfer gesehen und wollten ihn nicht verfolgen", sagt der neue Datenschutzvorstand Manfred Balz dem Handelsblatt.

Das hat dazu geführt, dass die Telekom Anschuldigungen gegen Wegner in offiziellen Dokumenten ungeprüft übernommen hat. So heißt es in der Disziplinarverfügung gegen den Sicherheitsmitarbeiter Klaus Trzeschan: "Der Verdacht gegen Wegner bestätigte sich." Die Verfügung liegt dem Handelsblatt vor und ist vom heutigen Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger unterschrieben. Wegners Anwälte werten sie als Indiz dafür, dass die Telekom intern nicht ausreichend recherchiert habe.

Seite 1:

„Ich will wissen, wer die Täter waren“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%