Telekommunikation
Nokia Siemens will 6.000 Jobs streichen

Der gebeutelte Netzwerkausrüster zieht Konsequenzen aus dem schlecht laufenden Geschäft: Sieben bis neuen Prozent der Belegschaft müssen um ihren Arbeitsplatz bangen. Um im Wettbewerb zu überleben, plant der neue Chef Rajeev Suri aber noch tiefgehendere Umbau-Maßnahmen.
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HB HELSINKI. NSN betonte, die Personaleinschnitte könnten je nach Land unterschiedlich stark ausfallen. Wie viele der 10 500 Stellen in Deutschland gestrichen würden, sei derzeit noch nicht absehbar, sagte eine Unternehmenssprecherin. Bereits nach der Fusion der Netzwerksparten von Nokia und Siemens im Frühjahr 2007 wurden weltweit als Folge einer zwei Mrd. Euro schweren Sparrunde gut 9000 Arbeitsplätze gekappt, davon 2300 in Deutschland. Seit Beginn der Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Siemens-Konzern und Nokia mit je 50 Prozent im Frühjahr galt NSN als Sorgenkind.

Bis 2011 will NSN neuerdings seine Gesamtkosten um mehr als eine Milliarde Euro senken. Zum einen sollen die Betriebskosten um 500 Mio. Euro pro Jahr schrumpfen. Zum anderen wolle NSN jährlich „erheblich mehr einsparen“ als 500 Mio. Euro. Dadurch soll die Gemeinschaftsfirma im Preiskampf mit Branchenriesen wie Ericsson und vor allem den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE mithalten können. Das Sparprogramm und den Stellenabbau lässt sich NSN zunächst eine Stange Geld kosten. Das Unternehmen veranschlagte den einmaligen Aufwand dafür auf 550 Mio. Euro im kommenden und im Folgejahr.

Die bislang fünf Geschäftsbereiche würden auf drei reduziert. Unternehmenschef Suri bekräftigte, sein Haus stärker auf das Servicegeschäft auszurichten. In dem Bereich würden Lateinamerika, Afrika und Osteropa immer wichtiger. Zudem wolle NSN seine Position durch Partnerschaften und Zukäufe stärken. Das Unternehmen werde dabei aber behutsam vorgehen.

Siemens und Nokia hadern mit der verlustreichen NSN. Noch vor der jüngsten Abschreibung von gut 900 Mio. Euro auf Nokias Hälfte hatte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser angekündigt, sein Haus werde die Probleme bei der Gemeinschaftstochter „aktiv angehen“. Zuvor hatte er betont, der Konzern betrachte seinen Anteil an NSN nicht mehr als strategisch.

Nokia und Siemens haben sich bei NSN vertraglich bis 2013 gebunden. Analysten geben NSN als eigenständigem Unternehmen im globalen Preiskampf im Markt für Telefonnetze aber kaum eine langfristige Chance. Sie rechnen weithin mit einer noch stärkeren Konsolidierung in der Branche. NSN hatte zuletzt bei der Auktion des nordamerikanischen Mobilfunkgeschäfts der insolventen Nortel einen herben Rückschlag erlitten. Das Unternehmen musste die Sparte wegen mangelnder finanzieller Unterstützung der beiden Eigentümer dem schwedischen Rivalen Ericsson überlassen. NSN-Chef Simon Beresford-Wylie trat wenig später zurück.

Aufgrund hoher Abschreibungen auf das Gemeinschaftsunternehmen musste der finnische Handyweltmarktführer Nokia im vergangenen Quartals erstmals seit 16 Jahren rote Zahlen ausweisen. Tatsächlich leidet das Joint Venture unter dem Preisdruck, der hauptsächlich von den chinesischen Konkurrenten Huawei und ZTE ausgeübt wird. Auch Marktführer Ericsson leidet darunter und will bei seinen Zulieferern drastische Preissenkungen durchboxen.

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