Traditionswerft STX France
Die Vision vom „Airbus der Schifffahrt“

Die französische Werft STX France steht kurz vor der Übernahme durch das italienische Schiffsbauunternehmen Fincantieri. Damit wird die Werft wieder europäisch – die französische Regierung dürfte das freuen.
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ParisDie französische Werft STX France, die auf den Bau von Kreuzfahrtschiffen spezialisiert ist, soll einen neuen Besitzer bekommen. Das italienische Schiffsbauunternehmen Fincantieri mit Sitz in Triest soll offenbar die berühmte französische Werft aus Saint-Nazaire am Atlantik übernehmen. Fincantieri, das größte europäische Schiffsbauunternehmen, das Kreuzfahrtschiffe, Jachten und Kriegsschiffe herstellt und mehrere Werften in Italien besitzt, will daraus eine Art „Airbus der Schifffahrt“ machen. Damit würde die Werft wieder in europäischen Besitz kommen.

In den letzten Jahren gehörte das Traditionsunternehmen der südkoreanischen Gruppe STX Offshore and Shipbuilding, deren Geschäfte insgesamt schlecht laufen, während STX France, früher bekannt unter dem Namen Chantiers de l´Atlantique, bestens im Geschäft ist. Deshalb wird die Angelegenheit seit drei Monaten von einem Gericht in Seoul behandelt.

Laut französischen Medienberichten soll das Gericht die Italiener als privilegierte Kandidaten bestimmt haben. Der Schiffsbauriese aus Italien soll auch der einzige gewesen sein, der schließlich ein Angebot vorgelegt hat. Über den Preis wird aber noch verhandelt. „Ein Zusammenschluss Fincantieri-STX könnte bessere Preise erzielen und so bessere Margen erwirtschaften“, erklärte das italienische Unternehmen. Damit hoffen die Italiener, langfristig konkurrenzfähig zu bleiben

Die Traditionswerft ist 150 Jahre alt und hat eine imposante fast einen Kilometer lange und 70 Meter breite Produktionsstätte. Das größte Kreuzfahrtsschiff der Welt, die 360 Meter lange „Harmony of the Seas“ für 6000 Passagiere stammt aus der Werft. Es wurde 2016 nach drei Jahren Bau an Royal Caribbean Cruises ausgeliefert. Ebenso wie die „Queen Mary 2“, die 2003 vom Stapel ging.

Ursprünglich gehörte STX France zum Imperium des französischen Mischkonzerns Alstom. Sie wurde aber 2006 erst von der norwegischen Aker Yards übernommen und ist seit 2007 mehrheitlich im Besitz der südkoreanischen Gruppe STX Offshore and Shipbuilding.

Auch für den französischen Staat ist der Verkauf von STX France von großer Bedeutung. Denn ihm gehören immer noch 33 Prozent am Unternehmen – das soll auch weiter so bleiben. Offenbar wurden andere Interessenten auch vom staatlichen Einfluss und den Preisverhandlungen abgeschreckt, schreibt die französische Zeitung „Le Monde“.

Mit den Präsidentschaftswahlen, die im April und Mai in Frankreich stattfinden, könnte sich der politische Druck auf die Verhandlungen noch verstärken. Gewerkschaftler verlangten schon, dass die Werft ganz verstaatlicht wird, was die Regierung aber ablehnte. Auch Schwierigkeiten durch europäische Wettbewerbsregeln könnten noch drohen, denn Konkurrenten dürften die Übernahme als Monopol kritisieren.

Zumal es auf der Werft derzeit bestens läuft. Bis 2012 war STX France in der Krise, doch dann gingen zahlreiche Bestellungen ein. Seit zwei Jahren stellt STX France wieder Mitarbeiter ein – insgesamt 2500 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, mit Subunternehmern sind es 7000. Bis 2026 sind die Auftragsbücher gefüllt.

Allein zu Weihnachten wurden vier neue Bestellungen für Kreuzfahrtschiffe bestätigt. Denn die Aussichten für die Kreuzfahrtbranche sind allgemein derzeit bestens. Selten gab es so viele Aufträge: Der Auftragsbestand reicht bei den großen internationalen Werften schon über das Jahr 2024 hinaus. Rund 60 Schiffe sind bestellt und die Luxusliner werden immer größer. Auf dem Weltmarkt mangelt es nicht gerade an Werften, aber laut Reedereiexperten fehlt bei vielen die Erfahrung und Zuverlässigkeit für Kreuzfahrtschiffe – was STX France zum interessanten Objekt macht.

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