Tui AG
Tust du mir nichts, Tui ich dir nichts

Was auch immer Tui-Chef Michael Frenzel in den letzten vierzehn Jahren verbockt hatte, stets nickte der Aufsichtsrat Strategieschwenks, schlechte Bilanzen und alle Gehaltserhöhungen für den Verantwortlichen ab. Seit der norwegische Großaktionär John Fredriksen die Zerschlagung des Konzerns fordert, wachen manche im Kontrollgremium aber langsam auf.

DÜSSELDORF. "Ich gebe zu, ich habe zu lange gewartet", sagt einer derjenigen, die im Aufsichtsrat nach dem Rechten schauen sollen. "Aber wissen Sie, der Frenzel ist ein unglaublicher Kerl. Der schafft es jedesmal perfekt, sich vor uns hinzustellen und zu erklären, dass er der einzige Garant für die Zukunft der Tui ist."

Was Tui ist und was nicht, das entscheidet Frenzel seit 1994 praktisch im Alleingang. Nach drei Jahren als Vorstandschef der Preussag baute er den Mischkonzern nach und nach zum größtem Tourismusunternehmen Europas um. Viele der Käufe und Verkäufe allerdings waren fragwürdig. Der Tui-Chef verkaufe billig und kaufe teuer, warnten Analysten und Investmentbanker.

Allein die ehemalige Stahltochter Salzgitter war nach dem Verkauf an der Börse bald doppelt so viel Wert wie der komplette Tui-Konzern. Nach unabhängigen Studien hat Frenzels Umbau die Anleger rund acht Milliarden Euro gekostet. Die Aktionärstreffen der Tui sind deshalb Veranstaltungen des Jammers.

Kein vergleichbarer Dax-Vorstand hat für seine Aktionäre weniger an Wert geschaffen als Michael Frenzel. Doch anstatt den Vorstandschef zur Verantwortung zu ziehen, ging der Aufsichtsrat gegen die Kritiker vor. Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger wurde bei einer Hauptversammlung wegen hartnäckiger Nachfragen einfach aus dem Saal befördert. Buhlmann: "Dieser Aufsichtsrat ist eine Beleidigung für die Aktienkultur in Deutschland."

Wer sitzt im Aufsichtsrat der Tui? Lange Zeit hielt der WestLB -Vorsitzende Friedel Neuber seine Hand über seinen Zögling Frenzel. Als Großaktionär bestimmte die WestLB bei Tui das gute und das schlechte Wetter.

Erst 2004, in Neubers Todesjahr, verkaufte die WestLB ihre Beteiligung von rund 30 Prozent an die Deutsche Bank, die sie dann weiterreichte an mehrere spanische Investoren. Die drei Großanleger, darunter zwei Vertreter großer Hotelgruppen, gelten im Aufsichtsrat als "Frenzels spanische Freunde".

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