Übernahmen
Infrastruktur wird zum Megatrend

Lange galten Flughafenbetreiber oder Straßenbauer als langweilig. Heute sind sie heiß begehrte Übernahmeziele. Das zeigt auch das Beispiel der britischen Wassertochter von RWE, Thames Water. Infrastrukturübernahmen liegen zurzeit voll im Trend.

FRANKFURT / LONDON. Etwa sieben Mrd. Pfund will RWE mit dem Verkauf seiner britischen Wassertochter Thames Water erzielen. Ein stolzer Preis für ein Unternehmen, das wegen seines maroden Leistungssystems seit Monaten heftige Kritik einstecken muss, und für das RWE vor sechs Jahren 4,7 Mrd. Pfund bezahlt hat.

Aber RWE hat Grund zur Zuversicht, dass sich ein Investor findet, der den gewünschten Preis zahlt. Infrastrukturübernahmen liegen zurzeit voll im Trend. Allein in diesem Jahr gaben internationale Investoren rund 100 Mrd. Dollar für die Übernahme von Flughäfen, Seehäfen und Versorgern aus. Vor allem in Großbritannien kam es zu regelrechten Übernahmeschlachten um die begehrten Kaufobjekte. Beim Kampf um den Flughafenbetreiber BAA setzte sich beispielsweise die spanische Ferrovial-Gruppe mit einem Gebot von zehn Mrd. Pfund gegen die Investmentbank Goldman Sachs durch. Dafür sicherte sich die US-Bank für rund vier Mrd. Pfund den Zuschlag für die britische Hafengesellschaft AB Ports.

„Gerade die BAA-Transaktion zeigt, wie schnell sich der Markt derzeit bewegt“, sagt Frank Müller, Vorstandsmitglied der Citigroup in Deutschland. „Vor einem Jahr wäre das noch undenkbar gewesen.“

Was macht Infrastruktur-Unternehmen so attraktiv? Der erste Grund für den ungebrochenen Boom ist simpel: Viele Infrastruktur-Unternehmen kommen erst jetzt auf den Markt, weil leere Staatskassen die öffentliche Hand zwingen, sich von Vermögenswerten zu trennen und hoheitliche Aufgaben an private Investoren zu übertragen. „Damit holt Europa eine Entwicklung nach, die in den Vereinigten Staaten bereits vorher zu sehen war“, sagt Martin Bury, Managing Director bei Lehman Brothers.

Die australische Bank Macquarie, der weltweit führende Finanzinvestor in Sachen Infrastruktur, rechnet vor, dass es bis 2030 weltweit einen Kapitalbedarf von rund 30 Mrd. Dollar für Infrastrukturprojekte gibt. Diese enorme Investitionssumme könnte von Nationalstaaten und Regionalregierungen nicht aufgebracht werden. Deshalb erwartet Macquarie auch in den kommenden Jahren ein attraktives Angebot an interessanten Übernahmeobjekten.

Der zweite Grund für den Boom ist komplexer: „Infrastruktur-Unternehmen entwickeln sich zu einer eigenen Anlageklasse“, erläutert Arthur Rakowski, Chef des zweiten europäischen Infrastrukturfonds von Macquarie. Wegen der eher niedrigen Renditen von um die zehn Prozent sind die Firmen für klassische Beteiligungsgesellschaften oft nicht interessant genug – dafür aber für sehr langfristig orientierte Anleger wie Versicherer und Pensionsfonds. „Für diese Investoren sind Infrastrukturinvestitionen ideal“, erläutert Rakowski. „Sie bieten vergleichsweise relativ risikoarme und gut berechenbare Mittelzuflüsse und eröffnen den Anlegern trotzdem auch attraktive Wachstumsmöglichkeiten.“

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