Umbau des Waldorf Astoria
„Wir werden die Präsidenten vermissen“

Das legendäre New Yorker Luxushotel Waldorf Astoria schließt für einen grundlegenden Umbau. Viele Hotelzimmer werden in Wohnungen umgewandelt. Mehr als tausend Kellner, Türsteher und Zimmermädchen verlieren ihren Job.
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19 Jahre hat Lydia Koufie als Zimmermädchen im Waldorf Astoria gearbeitet. In dem legendären Luxushotel in New York hat sie sich um die „Ambassador Suites“, prunkvolle und weiträumige Zimmer, die vor allem von Berühmtheiten und Reichen gemietet worden sind, gekümmert. „Wir werden die Präsidenten vermissen, die immer gekommen sind“, sagt Koufie.

Ab März hat die Amerikanerin keinen Job mehr. Das Fünf-Sterne-Haus wird jetzt geschlossen. Jeder US-Präsident bis auf Donald Trump hat dort geschlafen, Zsa Zsa Gabor heiratete Conrad Hilton, Marlene Dietrich trat im Frack beim Pariser Ball auf, Frank Sinatra prügelte sich in der Bar mit einem Fan. Aber seit einigen Jahren wird das 1931 eröffnete Waldorf Astoria seinem Namen nicht mehr gerecht. Jetzt wird das Hotel bis 2020 für rund eine Milliarde Dollar saniert.

Vor zwei Jahren kaufte die Anbang Insurance Group das Gebäude für 1,95 Milliarden Dollar. Das chinesische Unternehmen plant, rund zwei Drittel der insgesamt 1.413 Hotelzimmer in Privatwohnungen mit Hotelservice zu wandeln. Die Art-Deco-Außenfassade, Ballsäle und die opulente Lobby mit der berühmten „World's Fair Clock“ stehen unter Denkmalschutz und bleiben erhalten.

Mit der Sanierung verlieren weit mehr als tausend Mitarbeiter ihre Arbeitsstelle. Tragisch, aber vorerst nicht existenzbedrohend ist der Jobverlust für die zahlreichen Kellner, Türsteher oder Zimmermädchen nicht. Die lokale Gewerkschaft „New York Hotel and Motel Trades Council“ hat hart mit den chinesischen Investoren, die die insgesamt 149 Millionen Dollar Ablöse zahlen, verhandelt. Damit erhält jeder Angestellte im Schnitt 142.000 Dollar. Wer lange dabei war, kann sogar wohlhabend werden. Der Gewerkschaft zufolge erhält ein Mitarbeiter die höchste Abfindung in Höhe von 656.410 Dollar.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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