Umzugspläne nach Berlin
Air Berlin bangt um Bonner „Beamten-Shuttle“

Wenn Beamte zwischen Bonn und Berlin pendeln, dann buchen sie oft die Flüge von Air Berlin. Doch nach und nach ziehen die Ministerien in die Hauptstadt um, und die Fluglinie fürchtet um den Verlust eines Großkunden.
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DüsseldorfDer in Turbulenzen geratenen Fluglinie Air Berlin droht ein weiterer Rückschlag. Der nur noch mit Kapitalspritzen des Hauptaktionärs Etihad in der Luft gehaltenen Gesellschaft droht der Verlust eines Großkunden, berichtet das Handelsblatt. Die Bundesregierung nutzt Air Berlin, um ihre Ministerialbeamten zwischen den Behördensitzen Bonn und Berlin pendeln zu lassen. Doch das Geschäft mit diesen Dienstreisen, das den Steuerzahler 2014 voraussichtlich noch 4,3 Millionen Euro kosten wird, nähert sich dem Ende.

Schon im Juni will Minister Thomas de Maizière (CDU) nach Informationen des Handelsblatts offiziell bekanntgeben, dass demnächst sämtliche politisch bedeutsamen Arbeitsplätze von Bonn nach Berlin verlegt werden. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte den Plan, eine konkrete Personalzahl sei aber noch nicht ausgehandelt.

Nicht nur wegen des Ausfalls der Reisenden aus dem Bonner Innenministerium muss sich Air Berlin sorgen. Beobachter fürchten, dass es ähnliche Pläne auch im Bundesministerium für Bildung und Forschung gibt, das seinen Hauptsitz derzeit noch in Bonn hat. Dieses Jahr will Ministerin Johanna Wanka am Berliner Kapelle-Ufer einen nicht nur schmucken, sondern angesichts der geringen Mitarbeiterzahl auch überdimensionierten Neubau beziehen. Folgt Wanka dem Vorbild ihres Parteifreunds de Maizière und holt einen Großteil der Bonner Beamten an die Spree, würden jährlich 1.950 weitere ministerielle Dienstreisen zwischen Bonn und Berlin entfallen – ein möglicherweise bitterer Verlust für Air Berlin.

Die Airline will zu all dem nichts sagen. „Zu Verträgen mit Dritten äußern wir uns nicht detailliert“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Schon im vergangenen Jahr verlor der „Beamten-Shuttle“, auf dem die Bundesministerien Flugkontingente zwischen Köln-Bonn und Berlin-Tegel gebucht haben, an Kundschaft. Weil sich die Zahl der Bonner Ministerialbeamten um 1.160 auf 6.933 reduzierte, sank die Zahl der Dienstreisen deutlich.

2014, so offenbart es der sogenannte Teilungskostenbericht der Bundesregierung, soll sich die Zahl um weitere 1.433 Bonn-Berlin-Trips verringern. Die Kosten werden dadurch voraussichtlich innerhalb von nur zwölf Monaten um 0,6 Millionen Euro sinken.

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