Ungeklärter Triebwerksschaden
Unglücks-A380 wurde von Lufthansa gewartet

Auch die Lufthansa rutscht in den Sog des schweren Triebwerksschadens eines Riesen-Airbus. Die in Singapur notgelandete A380 der australischen Fluggesellschaft Qantas war vor kurzem bei Lufthansa-Technik in Deutschland gewartet worden. Das teilte Qantas in Sydney mit. Eine australische Gewerkschaft beklagt sich über die Wartung im Ausland.
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HB SINGAPUR. Qantas musste sich gegen Vorwürfe einer Gewerkschaft von Luftfahrtingenieuren zur Wehr setzen. Deren Chef Steve Purvinas hatte nach der Notlandung eines Qantas-Airbus A380 mit 459 Menschen an Bord in Interviews Sorge über die Sicherheit der australischen A380-Flotte geäußert, weil die Wartung oft im Ausland stattfinde.

„Lufthansa ist eine führende internationale Fluggesellschaft, einer der Top-Anbieter von Ingenieurs- und Wartungsleistungen und setzt selbst A380 ein“, teilte Qantas-Chef Alan Joyce mit. „Die Rolls Royce Trent 900-Triebwerke werden in Rolls-Royce-Werkstätten überholt. Den Eindruck zu erwecken, Lufthansa und Rolls-Royce hätten nicht die Expertise und Erfahrung, Sicherheitschecks mit den höchsten Qualitätsansprüchen durchzuführen, ist aberwitzig.“ Qantas hat alle weiteren Flüge mit dem Airbus A380 ausgesetzt.

Das Riesenflugzeug war Anfang Oktober zur Wartung in Frankfurt, wie Lufthansa-Sprecher Frank Püttmann am Freitag in Singapur bestätigte. Bei der Wartung seien aber nicht die Triebwerke geprüft worden. „Bei der Maschine ist ein C-Check durchgeführt worden, das lässt sich mit der Inspektion eines Autos vergleichen“, sagte Püttmann. „Dabei werden die besonders beanspruchten Teile untersucht und geprüft, wie etwa die Reifen, die Hydraulik und das Fahrwerk. In dem Vertrag mit Qantas sind aber die Triebwerke nicht Bestandteil dieser Wartung.“ Auf der Webeseite von Lufthansa-Technik heißt es: „Für den C-Check, der zwischen 1500 und 2000 Arbeitsstunden beanspruchen kann, bleibt ein Flugzeug bis zu fünf Tage in der Wartungshalle.“

Qantas-Flugingenieure haben nach Angaben der Airline über Nacht schon mit Experten des Triebwerk-Hersteller Rolls Royce und dem Flugzeughersteller Airbus nach den Ursachen des Unglücks geforscht. Neue Erkenntnisse gab es zunächst nicht. Klar ist bisher nur, dass kurz nach dem Start eines der vier Triebwerke in Brand geriet. Passagiere berichteten von einer Explosion, Teile des Triebwerksgehäuses fielen vom Himmel herab. Die Maschine musste umkehren und notlanden. Verletzt wurde niemand.

Die Passagiere, die nach der Notlandung in Signapur strandeten, sollten am Freitag weiter nach Sydney fliegen. Um 10.30 Ortszeit (03.30 Uhr MEZ) sollte die Sondermaschine starten. Auch in Los Angeles strandeten Hunderte Passagiere, weil der Airbus A380 aus dem Verkehr gezogen wurde. Mehrere Flüge wurden um 24 Stunden verschoben. Die Airline tue alles, um sie mit anderen Maschinen möglichst schnell nach Sydney zu fliegen, teilte sie mit.

Unterdessen hat die Fluggesellschaft Singapore Airlines nach der Überprüfung seiner A380-Flotte die Maschinen für den Flugverkehr wieder freigegeben. Alle elf Großraumflieger seien in Übereinstimmung mit den Vorschriften des Herstellers Airbus und des Triebwerkproduzenten Rolls Royce über Nacht inspiziert worden, sagte eine Sprecherin der Airline am Freitag. Die Flugzeuge seien als sicher und betriebsbereit befunden worden. Sie würden sobald wie möglich wieder in den Flugplan eingebunden.

Qantas hat in Folge des Vorfalls eine Inspektion seiner sechs A380-Maschinen angeordnet und seine Flotte bislang noch nicht wieder für den Betrieb freigegeben.

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