Urabstimmung
Streik in Amazon-Zentrallager beschlossen

Tausende Pakete werden täglich im bundesweit größten Amazon-Verteilzentrum in Bad Hersfeld gepackt. Auf den schnellen Weg zum Kunden legt der Versandhändler großen Wert. Aber jetzt wollen die Pakete-Packer streiken.
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Bad HersfeldNach Ärger mit den Wettbewerbsprüfern und einer hitzigen Debatte um Leiharbeiter stehen die Zeichen beim Versandhändler Amazon nun auf Streik. Neben den Amazon-Mitarbeitern in Leipzig haben sich auch die gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten im größten deutschen Verteilzentrum im hessischen Bad Hersfeld mit deutlicher Mehrheit für einen Arbeitskampf ausgesprochen. Hintergrund ist ihre Forderung nach einem Tarifvertrag gemäß den Konditionen der Einzel- und Versandhandelsbranche, was das Unternehmen bisher ablehnt.

Rund 97,6 Prozent der Mitglieder seien zum Streik bereit, teilte die Gewerkschaft Verdi nach der Urabstimmung mit. Bereits in der ersten Mai-Hälfte soll die Arbeit in Osthessen niedergelegt werden, hieß es. Einen genauen Termin nannte die Gewerkschaft nicht, Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Schiederig hält die zweite Mai-Woche aber für wahrscheinlich.

Amazon weigere sich, im Tarifstreit am Verhandlungstisch Platz zu nehmen, sagte Schiederig am Montagmorgen. „Wenn die Geschäftsführung auch diese Zeichen nicht verstehen will, sind Streiks in absehbarer Zeit nicht mehr zu vermeiden.“

Amazon-Sprecherin Christine Höger wies die Kritik der Gewerkschaft am Montag zurück und sagte, das Unternehmen sei zu weiteren informellen Gesprächen mit Verdi bereit. Allerdings gebe es „derzeit zu wenige Gemeinsamkeiten, um Verhandlungen aufzunehmen“.

Die Beschäftigten würden bei Amazon vergleichsweise gut bezahlt: „Mitarbeiter der deutschen Logistikzentren liegen mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Logistikindustrie üblich ist“, sagte Höger. „Über 10 Euro nach einem Jahr, 9,30 Euro davor, plus Boni.“

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat den Beschäftigte in Bad Hersfeld den Rücken gestärkt. „Ich bin ein Befürworter, dass es zu Tarifverträgen kommt, in denen das Spielfeld gemeinsam geregelt wird“, sagte Steinbrück am Montag zum Auftakt einer zweitägigen Wahlkampftour durch Hessen. Er habe den Eindruck, dass die Tarifpartnerschaft oder die Tarifautonomie im Fall Amazon angemahnt werden dürfe.

Verdi verlangt von dem Unternehmen, den Tarifvertrag für den Einzel- und Versandhandel anzuerkennen. Für die einzelnen Beschäftigten würde das laut Gewerkschaft bis zu 9000 Euro brutto im Jahr ausmachen. An den beiden Amazon-Standorten in Bad Hersfeld arbeiten rund 3300 Menschen, es handelt sich laut Amazon um ein reines Versandzentrum. „Unsere Mitarbeiter dort leisten logistische Tätigkeiten - Kommissionierung, Verpackung und Versendung von Waren“, sagte Höger. Deshalb laufe die Verdi-Argumentation ins Leere.

Anfang April hatten schon Amazon-Mitarbeiter in Leipzig für einen Streik gestimmt, aber noch keinen Termin für einen Ausstand festgelegt. An den Standorten in Graben und Rheinberg gibt es laut Verdi ebenfalls Bestrebungen für entsprechende Abstimmungen. „Wir arbeiten natürlich an einer Vernetzungsstrategie“, sagte Heiner Reimann von Verdi. Zunächst müssten sich aber die dortigen neuen Betriebsräte einarbeiten.

Reimann rechnet allerdings nicht damit, dass Amazon-Kunden allein wegen des Streiks wesentlich länger auf ihre Bestellungen warten müssen: „Solange nicht alle Standorte mitziehen, wird es Amazon gelingen, allein durch Volumenverlagerung größere Auswirkungen zu umgehen“, sagte er.

Das in der deutschen Öffentlichkeit eher zurückhaltende Unternehmen stand zuletzt mehrfach im Fokus: Zu Jahresbeginn war Amazon in Deutschland wegen der Behandlung von Leiharbeitern in die Kritik geraten. Auslöser der Debatte war eine ARD-Dokumentation. Zudem hatte das Bundeskartellamt angekündigt, die Rechtmäßigkeit von Preisauflagen für Händler zu prüfen, die Waren über Amazon anbieten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Steinbrück bei Amazon
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    "Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (P€€R Geldrück) ist am Montagmittag gegen 11.30 Uhr in Bad Hersfeld eingetroffen. Vor dem Amazon-Logistikzentrum an der Oberen Kühnbach/Amazonstraße wurde er vom heimischen Bundestagsabgeordneten, Michael Roth begrüßt."

    Amazon beschäftigt ca. 3.300 Mitarbeiter, 97% der 30 Gewerkschaftmitglieder von Ver.di haben für einen Streik gestimmt!

  • Ja das gehört ohnehin verboten. Sind die Firmen wie Ebay und Amazon in Luxemburg ansässig. Möchte wissen welcher Politiker sich bestechen hat lassen um das zu ermöglichen. Deutschland ist bei weitem einer der führenden Absatzmärkte in der EU und dann kommen die mit Luxemburg daher....

  • PS
    Die machen immerhin so viel Gewinn,
    dass sie sich genötigt sieht die Kohle auf die Konten irgendwelcher Auslandstöchter zu verschieben um möglichst minimale Steuern zu sparen !

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