Urteil
Gericht gibt Continental Schuld an Concorde-Katastrophe

Jahrelang hatten Hinterbliebene und die Fluggesellschaften Air France und Continental Airlines gestritten, wer an dem Absturz des Überschalljets Concorde in Paris mit 113 Toten Schuld trägt. Jetzt hat ein Pariser Gericht das Urteil gesprochen: Eine Nachlässigkeit der Amerikaner führte zur Katastrophe. Betroffen ist auch der Flugzeugbauer EADS.
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rüd/HB PARIS. Mehr als zehn Jahre nach dem Absturz einer Air-France-Concorde nahe Paris hat ein französisches Gericht die US-Fluglinie Continental für mitschuldig befunden.

Die Richter verurteilten das Unternehmen am Montag zu einer Geldstrafe in Höhe von 200 000 Euro. Daneben wurde ein Mechaniker der US-Fluggesellschaft ebenfalls schuldig gesprochen. Er erhielt 15 Monate Haft auf Bewährung. Alle übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.

Zudem teilte das Gericht mit, der Flugzeugbauer EADS trage eine zivilrechtliche Verantwortung im Zusammenhang mit dem Concorde-Absturz. EADS müsse 30 Prozent möglicher Entschädigungen für die Opfer der Familien übernehmen.

Nach Überzeugung des Gerichts kam es zur Katastrophe, weil der Überschalljet beim Start über eine Titan-Lamelle rollte, die von einer Continental-Maschine abgefallen war. Dabei platzte ein Reifen der Concorde, Gummiteile durchschlugen einen Tank des Flugzeugs und der ausströmende Treibstoff fing Feuer. 113 Menschen starben, als die Maschine dann kurz nach dem Abheben brennend in ein Hotel stürzte. Die meisten waren Deutsche, die von New York aus zu einer Kreuzfahrt starten wollten.

In dem jahrelangen Verfahren, bei dem die Hinterbliebenen als Nebenkläger auftraten, ging es darum, ob der ehemalige Chef des Concorde-Programms sowie die US-Fluggesellschaft Continental Airlines und zwei ihrer Mitarbeiter an dem Unglück Mitschuld tragen.

Die Anklage hatte für Continental nach einem viermonatigen Verhandlungsmarathon eine Geldstrafe von 175 000 Euro gefordert. Zwei Mechaniker sollten 18 Monate Haft auf Bewährung bekommen. Für den damaligen Chef des Concorde-Programms Henri Perrier wurden zwei Jahre Haft auf Bewährung beantragt. Ihm soll die Anfälligkeit des Flugzeugs bekannt gewesen sein.

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