Vattenfall Europe plant zwei neue Leitungen, will aber auch selbst in Windparks investieren
Versorger bauen Stromnetz wegen Windenergie aus

Die Energiekonzerne Eon und Vattenfall Europe wollen wegen des geplanten Baus neuer Windparks auf hoher See ihre Stromnetze massiv verstärken. Die Vattenfall Europe AG gab gestern bekannt, sie plane zwei neue Überlandleitungen mit zusammen 360 Kilometern Länge, um Windenergie von der Küste abtransportieren zu können.

juf BERLIN. Deutschlands viertgrößter Energiekonzern will dafür rund 300 Mill. Euro investieren, sagte Vorstandschef Klaus Rauscher gestern auf der Bilanz-Pressekonferenz in Berlin. Eine Leitung soll von Schwerin nach Hamburg führen, eine von Sachsen-Anhalt über Thüringen nach Bayern. Auch Eon plant neue Hochspannungsleitungen.

Neben dem Konkurrenten Eon, der im Nordwesten das Stromnetz betreibt, ist Vattenfall Europe im Nordosten für den Abtransport des Stromes verantwortlich, den die geplanten Offshore-Windparks auf hohere See produzieren werden. Die beiden Konzerne müssen den Windstrom im Bundesgebiet verteilen. Die bundeseigene Deutsche Energieagentur (Dena) hatte im Februar in einer Studie den Bedarf an neuen Hochspannungsleitungen durch den geplanten Ausbau der Windenergie bis 2015 mit 460 Kilometer beziffert. Hintergrund: Nach Vorgaben der Bundesregierung soll sich der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis 2020 auf 20 Prozent verdoppeln – vor allem durch neue Windräder vor den Küsten, weil an Land kaum noch geeignete Standorte vorhanden sind.

Ende 2004 seien im Netzgebiet von Vattenfall Europe bereits Windkraftanlagen mit einer Leistung von 6 000 Megawatt installiert gewesen, bis 2011 werde die Menge auf 11 000 Megawatt steigen, sagte Rauscher. „Dann stehen fast die Hälfte der bundesweit installierten Windkrafterzeugungsanlagen in der Regelzone von Vattenfall Europe.“ Das deutsche Übertragungsnetz und die innerdeutschen Leitungen seien aber nicht dafür ausgelegt, die Windstrommengen in die Verbrauchszentren in West- und Süddeutschland zu transportieren: „Deshalb müssen wir unsere Netzkapazitäten ausbauen.“

Eon wolle sein Hochspannungsnetz wegen der Windenergie um 110 Kilometer erweitern, sagte ein Sprecher. Geplant seien drei Strecken, zwei an der Nord- und eine an der Ostsee. Eon wolle hierfür rund 70 Mill. Euro investieren. Bei allen drei Projekten liefen die Genehmigungsverfahren aber noch. Im Eon-Gebiet befänden sich derzeit Windräder mit einer Leistung von rund 7 000 Megawatt, 2010 sollen es rund 12 000 Megawatt sein.

Die Kosten würden die beide Unternehmen allerdings letztlich nicht selbst tragen, hält ein Sprecher des Bundesverbandes Windenergie (BWE) entgegen. Zum einen sehe das Erneuerbare-Energie-Gesetz inzwischen einen Lastenausgleich zwischen Eon, Vattenfall Europe und den beiden anderen Netzbetreibern RWE und Energie Baden-Württemberg (EnBW) vor: „Und letztlich legen die Versorger die Kosten ohnehin auf die Verbraucher.“

Vattenfall Europe will auch selbst von der Windenergie profitieren. „Wie alle großen Versorger prüfen auch wir die Beteiligung an Offshore-Windparks“, sagte Rauscher. Er betonte, dass der schwedische Mutterkonzern schon bald zu einem der größten Windparkbetreiber Europas aufsteigen könnte, sollte die geplante Zusammenarbeit mit dem dänischen Elsam-Konzern zu Stande kommen.

Vattenfall Europe war 2003 durch die Fusion der Versorger Bewag aus Berlin und HEW aus Hamburg mit dem Braunkohleverstromer Veag und dem Braunkohletagebaubetreiber Laubag entstanden. Nachdem die anschließende Restrukturierung das Unternehmen im Jahr 2003 noch mit 139 Mill. Euro in die Verlustzone gedrückt hatte, erzielte Vattenfall Europe im vergangenen Geschäftsjahr einen Überschuss von 264 Mill. Euro. Das operative Ergebnis stieg nach den HGB-Bilanzierungsregeln um rund 50 Prozent auf 545 Mill. Euro. Der Umsatz verbesserte sich um knapp 27 Prozent auf 10,7 Mrd. Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%